Neue Studie: Korneuburger Grundwasser ist ungesund

Eine neue Studie widerspricht dem AGES-Gutachten. Das Grundwasser sei ein "Kontaminanten-Cocktail, den man nicht verniedlichen sollte".

Ob das Wasser aus den Korneuburger Wasserleitungen gesundheitsschädlich ist, darüber sind sich die Experten uneins.
Ob das Wasser aus den Korneuburger Wasserleitungen gesundheitsschädlich ist, darüber sind sich die Experten uneins.
Ob das Wasser aus den Korneuburger Wasserleitungen gesundheitsschädlich ist, darüber sind sich die Experten uneins. – (c) AP (Michael Probst)

In der Diskussion um das verunreinigte Korneuburger Grundwasser gibt es nun neue Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung. Das gehe aus einer von der Stadtgemeinde beauftragten und an der FH Technikum Wien durchgeführten Studie hervor, hieß es am Dienstag in einer Pressekonferenz in Wien. Global 2000 forderte von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) die Rücknahme eines vor wenigen Wochen veröffentlichten Unbedenklichkeits-Gutachtens - die AGES hielt ihre Risikobewertung in einer Reaktion aufrecht.

Um eine weitere Ausbreitung des - durch die Firma Kwizda-Agro - verunreinigten Grundwassers in Richtung Langenzersdorf einzuschränken, hatte die BH Korneuburg Mitte November angeordnet, Grundwasser im Bereich des Kraftwerks Korneuburg abzupumpen und in die Donau einzuleiten. Das AGES-Gutachten habe dem pestizidkontaminierten Grundwasser in Korneuburg Ungefährlichkeit für den Menschen bescheinigt – selbst Babys könnten täglich 0,75 Liter davon konsumieren, obwohl der Pestizidgrenzwert bis zu tausendfach überschritten werde, hieß es in der Pressekonferenz.

Studie vs. Studie

Die Studie der FH Technikum Wien spreche eine andere Sprache. Es handle sich um einen "Kontaminanten-Cocktail, den man nicht verniedlichen sollte", warnte der Autor der Expertise, Franz Tatzber. Die FH hatte seinen Angaben zufolge 20 Wasserproben an 16 Entnahmestellen gezogen. Ergebnis: Als Trinkwasser sei das Korneuburger Grundwasser definitiv nicht mehr geeignet. Die Mischung aus Pestiziden und anderen Schadstoffen habe in Versuchen mit menschlichen Zellen Hinweise auf hormonelle Wirksamkeit und damit auf eine potenzielle Gesundheitsgefährdung für den Menschen ergeben, so Tatzber.

Dass Grundwasser, das tausendfach über dem Grenzwert mit Pestiziden belastet sei, unbedenklich sein soll, habe die Skepsis der Menschen weiter vergrößert, sagte die Korneuburger Umweltstadträtin Elisabeth Kerschbaum (G). Das Ergebnis der erweiterten Studie sei demnach "doch überraschend". Aber es bestehe zumindest Klarheit darüber, dass dieses Wasser nicht mehr genutzt werden dürfe, bis die Sanierung abgeschlossen sei.

"Ernstzunehmende Hinweise"

Die Hinweise aus der FH-Studie seien ernst zu nehmen, betonte der Umweltmediziner Hans Peter Hutter. Vor allem jene auf hormonell wirksame Chemikalien, die bereits in niedrigsten Konzentrationen störend in den Hormonhaushalt des Körpers eingreifen könnten, würden Anlass zur Sorge geben.

Für Helmut Burtscher, Biochemiker von Global 2000, weist die human-toxikologische Expertise der AGES eklatante inhaltliche Schwächen auf. Es liege eine Kontamination vor, die möglicherweise gesundheitsgefährdend sei und noch über Jahre anhalten werde. Global 2000 wollte sich "noch heute", so Burtscher, in einem offenen Brief an die AGES und an Gesundheitsminister Alois Stöger (S) als Eigentümervertreter wenden. Darin würden die Schwächen und Mängel der Bewertung durch die Agentur detailliert beschrieben. Dazu ergehe die Aufforderung, das fehlerhafte Gutachten binnen zwei Wochen zu revidieren bzw. zu korrigieren.

Die AGES hielt in einer Reaktion fest, dass ihre Risikobewertung dem aktuellsten Stand der Wissenschaft und internationalen Standards entspreche. Eine Abänderung sei nicht erforderlich. Aufgrund der vorliegenden Daten und der wissenschaftlichen Praxis bestehe durch das kontaminierte Grundwasser in Korneuburg kein Risiko für Konsumenten, auch die Einleitung in ein Oberflächengewässer sei in den gemessenen Konzentrationen unbedenklich.

Hingegen zeige die von Global 2000 präsentierte Studie "Schwächen sowohl im Methodenansatz als auch in den Schlussfolgerungen", hieß es in der Aussendung der Agentur. Wie die Studienautoren selbst festhielten, konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen den Konzentrationen von Thiamethoxam und Clopyralid und den Ergebnissen der Tests an den Zellkulturen hergestellt werden. Die verwendeten einfachen Labortests an Zellkulturen würden überdies keine Aussage über eine potenzielle hormonelle Wirksamkeit erlauben.

 

 

(APA)

Kommentar zu Artikel:

Neue Studie: Korneuburger Grundwasser ist ungesund

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen