Stronachs Stadionprojekt blockiert Stadtentwicklung

Rothneusiedl. Magna hat bis Ende 2015 einen Vertrag.

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c APA HERBERT PFARRHOFER HERBERT PFARRHOFER

[WIEN/G.B.] Der Favoritner VP-Chef Alfred Hoch kann nur den Kopf schütteln, wenn er auf Rothneusiedl angesprochen wird. „Bis heute verstehe ich nicht, wie man so einen Vertrag abschließen kann.“ Mit dieser Meinung ist er nicht allein, denn der Optionsvertrag, der 2007 zwischen Bürgermeister Michael Häupl und dem damals im Rathaus gern gesehenen Frank Stronach ausgehandelt wurde, sah vor, dass Stronach über das städtebauliche Zielgebiet Rothneusiedl im Süden von Favoriten mehr oder weniger frei verfügen kann und im Gegenzug dort ein Stadion für die Austria sowie ein Einkaufszentrum baut. Das eigentlich Überraschende war die großzügige zeitliche Frist: Bis 31.12.2015 wurde der Magna International Services GmbH die Option eingeräumt, die Projekte zu realisieren.

Eine offenbar weinselige Entscheidung, die im Rathaus bald bereut werden sollte. Nach ersten Schwierigkeiten – die Grundstücke wurden von den Besitzern nicht abgegeben oder waren zu teuer – verlor Stronach das Interesse und wandte sich anderen Hobbys zu. Die Option aber blieb bestehen, auch wenn Stronach nicht mehr Magna-Chef war. Damit gibt es weder ein neues Stadion noch Bewegung im Zielgebiet Rothneusiedl. Grundbesitzer und Kritiker, die keinen neuen Stadtteil in der grünen Wiese wollen, freut das.

Weniger die Wiener Linien. Denn die sollten ursprünglich die U1 bis Rothneusiedl führen. Da die Zukunft dieses Gebietes unsicher ist, musste die Linienführung geändert werden - und zwar zur Therme Oberlaa. Damit die U1 künftig ausgelastet ist, werden um das neue U-Bahn-Ende in Oberlaa Großbauten geplant. Proteste gibt es bereits.

Magna hat es nicht eilig: nichts Neues in der Frage Optionsvertrag, heißt es. Magna wird übrigens von NÖ in den Süden Wiens ziehen. Vielleicht wird doch noch ein Engagement in Rothneusiedl überlegt, Zeit hätte man ja noch fast drei Jahre. Und zur Sicherheit haben sich die Wiener Linien die technische Möglichkeit offen gelassen, die U1 nicht nur zur Therme, sondern auch nach Rothneusiedl zu führen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2013)

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