Tirol: Aufräumarbeiten laufen an

In der Landeswarnzentrale wurden bis Sonntagabend über 70 Murenabgänge und Hangrutschungen registriert. Am prekärsten ist die Situation in Kössen.

Dieser Tourist in Kössen, Tirol, hat sich seinen Urlaub wohl auch trockener vorgestellt.
Dieser Tourist in Kössen, Tirol, hat sich seinen Urlaub wohl auch trockener vorgestellt.
Dieser Tourist in Kössen, Tirol, hat sich seinen Urlaub wohl auch trockener vorgestellt. – (c) EPA/Zeitungsfoto.at

Nach dem massiven Hochwasser im Tiroler Unterland haben am Montag die Aufräumarbeiten begonnen. Für die Einsatzkräfte bot sich dabei ein verheerendes Bild, zum Teil waren die Schäden enorm, insbesondere im arg getroffenen Ort Kössen im Bezirk Kitzbühel. Zumindest konnte dort die Stromversorgung bis Mittag weitgehend wieder hergestellt werden. Laut Tiwag-Netz AG waren nur noch rund 100 Haushalte ohne Strom. Im Landhaus hatte am Vormittag ein Krisenstab getagt.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kündigte anschließend erste Sofortmaßnahmen an. Diese sollen in der Regierungssitzung am Dienstag beschlossen werden, meinte Platter: "Die betroffene Bevölkerung soll wissen, dass wir auf ihrer Seite stehen und alles Menschmögliche unternehmen, um ihre schwierige Situation zu erleichtern und zu verbessern". Das Land werde sich bemühen, alle Behördenverfahren für die Betroffenen "schnell und unbürokratisch" abzuwickeln.

100 Muren und Hangrutschungen

Bisher wurden an die 100 Hangrutschungen und Muren verzeichnet, berichtete Marcel Innerkofler, Leiter des Landeswarnzentrale. Die Wasserrettung hatte Boote aus allen Teilen des Landes für das Katastrophengebiet zusammengezogen. Insgesamt würden zudem 125 Mann des Bundesheeres bei den Aufräumarbeiten im Bezirk Kitzbühel mithelfen. Nach wie vor seien zahlreiche wichtige Straßenverbindungen im Unterland gesperrt. Auch die deutsche Autobahn (A8) war beim Chiemsee zwischen Bernau und Siegesdorf an manchen Stellen unter Wasser gestanden. Die Sperre konnte gegen Mittag für Pkw aufgehoben worden. Ein Schienenersatzverkehr sei für die gesperrte Bahnverbindung zwischen Salzburg und München vorerst aber nicht möglich gewesen.
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Die Niederschläge der vergangenen drei Tage hätten katastrophale Ausmaße angenommen, erklärte Klaus Niedertscheider vom Hydrographischen Dienst des Landes. In nur drei Tagen seien gebietsweise 300 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. In Kössen wurden in 24 Stunden 200 Liter Regen pro Quadratmeter registriert. Laut dem Landesfeuerwehrinspektor Alfons Gruber standen im Unterland weiterhin 3300 Einsatzkräfte im Dauereinsatz. Wenn Schüler wegen der Hochwassersituation nicht am Schulunterricht teilnehmen, gelten diese Fehlstunden laut Landesschulrat als entschuldigt.

Rettung mit Hubschraubern

Am stärksten betroffen waren die Bezirke Kufstein und Kitzbühel. In Kössen, das am Sonntag weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten und ohne Stromversorgung war, standen hunderte Häuser unter Wasser. Die Bewohner wurden zum Teil mit Hubschraubern oder von der Wasserrettung in Sicherheit gebracht. Beispielsweise musste laut ÖAMTC ein querschnittsgelähmter Mann, der in seinem Haus vom Hochwasser eingeschlossen war, vom Rettungshubschrauber "Christophorus 4" mittels Tau geborgen werden. Er wurde in das Krankenhaus Kufstein geflogen.

Das bisher Unvorstellbare ist eingetreten, aber laut Bürgermeister Stefan Mühlberger sei eine noch größere Katastrophe abgewendet worden. Denn gäbe es nicht den vor kurzem fertiggestellten neuen Damm, hätte die Naturgewalt auch im Ortszentrum in einem riesigen Ausmaß zugeschlagen, zeigte er sich überzeugt.

Der Bürgermeister war beinahe ohne Pause im Einsatz. Bewegt erzählt er von den Evakuierungen, die noch bis in die Nacht hinein stattfanden. Die in den Booten sitzenden Helfer versuchten mit Lautsprechern etliche Gemeindebürger zu überzeugen, doch ihre Häuser zu verlassen und nicht abzuwarten bis das Wasser zurückgeht. Rund 150 Menschen seien insgesamt evakuiert worden, viele davon wurden im örtlichen Schul-Turnsaal untergebracht. "Dort war es aber ein Kommen und Gehen. Immer wieder wurden Leute von Nachbarn oder Freunden abgeholt und bei ihnen zuhause untergebracht", schilderte Mühlberger.

Der Vorstand der Tiroler Arbeiterkammer beschloss am Montag 100.000 Euro Soforthilfe für Arbeitnehmer, die vom Hochwasser betroffen sind. Der Südtiroler Schützenbund, der Bund der Tiroler Schützenkompanien und der Welschtiroler Schützenbund riefen zu einer Spendenaktion für die Hochwasseropfer auf.

(APA)

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