Steiermark: Zeit zum Verschnaufen

Jeder weitere Tropfen könne eine Mure auslösen, warnt die Feuerwehr. Die Pegel der Enns und der Traun gingen zurück.

Ein Bild aus dem Raum Schladming.
Ein Bild aus dem Raum Schladming.
Ein Bild aus dem Raum Schladming. – (c) APA/EXPA/MARTIN HUBER

Für die steirischen Feuerwehren war Montagvormittag etwas Zeit zum Verschnaufen. Die Gefahr durch Hochwasser sei jedoch weiterhin akut, erklärte Thomas Meier, Sprecher des steirischen Landesfeuerwehrverbandes: "Jeder Tropfen kann bei den mit Wasser vollgesogenen Böden zu viel sein und ein Hang abrutschen." Die von einer Mure verlegte Zufahrt ins hintere Walchental nahe Öblarn (Bezirk Liezen) dürfte im Laufe des Montags wieder benützbar sein.

Insgesamt zeigte sich die Lage Montagfrüh ruhiger als noch am Sonntag. Die starken Regenfälle hatten aufgehört und die Pegel der Enns und der Traun im obersteirischen Bezirk Liezen gingen wieder zurück. Dennoch seien nach wie vor Dutzende Helfer der Feuerwehren im Einsatz, sagte Meier. Im Raum Schladming sei über Nacht eine kleinere Mure abgegangen, im Raum Trautenfels stieg die Enns über die Ufer. Zahlreiche Keller seien noch auszupumpen.

Entspannt habe sich die Situation in Niederwölz (Bezirk Murau), wo es erst 2011 massive Überschwemmungen gegeben hatte. Entwarnung könne vor allem für den Bezirk Liezen noch keine ausgesprochen werden, warnte Meier: "Bei neuerlichen Niederschlägen wird es rasch wieder gefährlich."

Hang gesichert

Das seit Sonntagfrüh wegen einer abgegangenen Mure nicht erreichbare hintere Walchental soll noch am Montag wieder zugänglich sein. Laut Polizeiinspektion Gröbming wurde bereits mit den Baggerarbeiten begonnen. Unklar sei, wie viele Bewohner sich in dem Seitental aufhalten. Sie müssen jedenfalls ohne Strom ausharren. Der abgerutschte Hang in Lupitsch nahe Bad Aussee konnte laut Meier mittlerweile gesichert werden.

Knapp 30 steirische Feuerwehrleute sind zur Unterstützung der Einsatzkräfte nach Salzburg in den Raum Oberndorf gefahren. Die Kollegen aus den Bezirken Voitsberg, Radkersburg, Weiz und Deutschlandsberg bringen u.a. Stromaggregate in das Nachbarbundesländer mit.

Landwirtschaft betroffen

Am ärgsten in Mitleidenschaft gezogen worden sein dürfte die Landwirtschaft: "Es sind mehrere tausend Hektar zwischen Schladming und Admont überflutet worden", sagte Kammersprecherin Rosemarie Wilhelm. Dabei handle es sich vor allem um Grünland, zum Teil auch um Silomais-Kulturen. Schlimm sei es für jene Landwirte, die wegen der zuletzt anhaltenden Regenfälle die erste Mahd noch nicht einbringen konnten: "Deren Wiesen sind verschlammt, das Gras ist nicht mehr verwendbar. Aber auch diejenigen, die schon gemäht haben, müssen erst Tonnen von Schlamm von ihren Flächen räumen", so Wilhelm. Im auf 853 Meter Seehöhe im Gesäuse gelegenen Johnsbach hat zudem Schneefall das Grünfutter niedergedrückt und vernichtet. Eine Schadenssumme lasse sich noch nicht beziffern.

Ennstal-Bahnstrecke gesperrt

Die ÖBB-Strecke zwischen Schladming und Haus im Ennstal sei an einigen Stellen vom Hochwasser der Enns und zuführender Bäche in Mitleidenschaft gezogen worden: "Wir sind gerade dabei, die Strecke genauer in Augenschein zu nehmen, vorerst bleibt sie gesperrt", so ÖBB-Sprecher Christoph Posch. Es wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen dem steirischen Knotenpunkt Selzthal und dem salzburgischen Bischofshofen bzw. Golling eingerichtet. Eine Schadenssumme lasse sich noch nicht festmachen. Der Nachtzug Zürich-Graz werde mehrere Tage nicht verkehren können.

(APA)

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