Auf drei Rädern durch die Stadt

Espressomobil, Spritzer Flitzer, Hildegard Wurst oder Cupcake Mobil: Jausenstationen auf Oldtimern breiten sich in Wien aus. Und auch Rikschas sorgen für ein neues Stadtgefühl.

drei Raedern durch Stadt
drei Raedern durch Stadt
drei Raedern durch Stadt – (c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Die Idee kam beim Baden. Dosenbier, müde Spritzer – und das zwischen Langos- und Pommes-Dunst. „Wir waren oft bei der Romawiese baden, aber an Infrastruktur gibt es dort ja nichts G'scheits“, erzählt Lisa Klein. So ist vor einem Jahr die Idee zum Spritzer Flitzer entstanden. Fast ein Jahr hat es auch gedauert, bis das Fahrzeug umgebaut, alle Genehmigungen eingeholt waren und das Spritzer-Trio – neben Lisa Klein sind das die Brüder Thomas und Bernhard Herzog – zum ersten Mal an der Alten Donau aufgefahren ist und am späteren Nachmittag die kleine Bar aufgebaut hat.

„Es ist super gelaufen“, resümiert Lisa Klein nun, da der Badeschluss naht. Auch wenn der Flitzer für die drei in diesem Sommer noch ein Hobby war, überlegen sie nun, das Geschäft auszubauen. Vielleicht bei Veranstaltungen ihre Bar aufzubauen. Oder weitere Flitzer anzuschaffen, nächsten Sommer auch andere Standorte als heuer – da war es nur der Parkplatz auf dem Romaplatz – anzusteuern. Dann könnte daraus ein richtiges Geschäft werden, sagt Lisa Klein. Denn Beispiele, wie so etwas geht, gibt es mittlerweile genug.


Mehr und mehr Dreiradler. Es scheint, als hätten die Wiener auf Dreiradler dieser Art fast schon gewartet. Oldtimer, umgebaut zu Food-Mobilen mit Retrocharme, sieht man immer häufiger. Dabei ist die Idee nicht neu. In Amsterdam oder in Hamburg sind solche Fahrzeuge seit Jahren unterwegs. In Wien ist Peter Lindmoser der Pionier auf drei Rädern. Anfang 2012 hat der Steirer ein erstes Vespacar, eine Piaggio Ape, zur mobilen Kaffeebar umbauen lassen und mitsamt eines jungen Baristas durch die Stadt geschickt – heute sind neun Espressomobile unterwegs. „Es hat sich sehr gut entwickelt. Auch alle Anfangsschwierigkeiten mit der Kammer und so weiter haben sich beruhigt“, sagt er nun. Anderthalb Jahre nach dem Start sind Espressomobile unterwegs, stehen teils an fixen Standorten wie dem Alten AKH, fahren zu Events oder lassen sich zu Firmenfeiern ordern. Dazu kommen Nachahmer, und auch Lindmoser will nächsten Frühling drei weitere Vespacars durch Wien schicken. „Ich bin selbst überrascht, wie schnell wir zu einer fixen Institution geworden sind“, sagt Lindmoser, der mittlerweile im Sommer 14 Mitarbeiter beschäftigt.


Retro-Essen als Erfolgsgarant. Es ist eine Geschichte, wie man sie von Start-ups nach so kurzer Zeit selten hört. Aber Leonie Mayer-Rieckh und Matthias Hofer haben Ähnliches zu erzählen: Die zwei sind seit gut einem Jahr mit ihrem roten Hotdog-Mobil „Hildegard Wurst“ – der Name ist eine Hommage an Mayer-Rieckhs Großmutter – in Wien unterwegs. Verkaufen ihre Hotdogs an fixen Standorten wie dem Margaretenplatz oder bei Partys. Aus dem „Fun-Ding“, das sie ausprobieren wollten, könnte eine Kette werden, sagt Mayer-Rieckh. „Es läuft super, ganz hervorragend, es gibt schon Franchise-Anfragen. Das ist ein nächster Schritt“, sagt sie und erzählt von einem weiteren Wurst-Mobil, das bald kommt, von der Suche nach einem Mitarbeiter, schließlich müssen sie derzeit Anfragen auch ablehnen.

Mit Spezialitäten auf die amerikanische Art, so macht auch Renate Gruber ihr Geschäft: Die Chefin der Minikette Cupcakes Vienna ist seit gut einer Woche unterwegs – mit dem Cupcake Mobil. Das hat nur zwei Räder – ein alter Wohnwagen, Baujahr '72, umgebaut und rosa lackiert. „Es gab immer wieder Anfragen für Veranstaltungen, aber, unser Produkt, das lebt vom Drumherum, wir wollten nicht in einer Holzhütte stehen.“ Offenbar schmecken die Cupcakes noch süßer, wenn sie aus einem Wagen – wie aus einer Puppenstube – verkauft werden. „Wir haben in wenigen Tagen so viele Anfragen bekommen, wir könnten drei Monate nur unterwegs sein“, sagt Gruber. Aber es sind nicht nur die charmanten umgebauten Oldtimer, die ein neues Stadtgefühl auf die Plätze bringen. Auch auf den Straßen macht sich ein solches mit neuen Dreiradlern breit. Denn auch Rikschas, die Fahrradtaxis, boomen diesen Sommer. Bequemer als zu Fuß, umweltfreundlicher als im Touristenbus und tierfreundlicher als im Fiaker lassen sich so Touristen durch die Stadt kutschieren. Und das kommt offenbar auch bei den Wienern ganz gut an.

Die Pioniere, die ersten „Faxis“ mit einer Kabine für die Fahrgäste und einem Extra-Elektroantrieb, sind schon seit 2001 in Wien unterwegs. Mittlerweile düsen zwölf Faxis durch die Stadt, 49 Euro kostet eine Stunde Rundfahrt darin. Nun breiten sich aber auch klassische Rikschas, mit einem Radler vorn und einer leicht erhöhten Sitzbank hinten, aus: Seit heuer fahren 15 Rikschas von Velocityline durch die Stadt, mit den Faxis und den „Tricycles“ des Anbieters Three Wheelys teilen sie sich den Wiener Markt. Dazu kommen die „Freien Rikscha Fahrer Wien“, ein Kollektiv selbstständiger Rikschafahrer, das sich diesen Sommer zusammengetan hat. Mit deren Rikschas sich auch die Wiener gern spazieren fahren lassen – und so ihre Stadt aus einer ganz neuen Perspektive sehen.

Essen auf Rädern

Das Espressomobil ist als Wiener Pionier seit anderthalb Jahren unterwegs. Und die Piaggio-Ape-Flotte wächst rasant.

Das Essensangebot ebenso: Hildegard Wurst, ein Spritzer Flitzer und ein Cupcake Mobil versorgen Wien auf Rädern.

Nicht nur Nahrung wird heute auf drei Rädern transportiert: Auch die Rikschas breiten sich in Wien mehr und mehr aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2013)

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