Weniger Bisse wegen Hundeprüfung

Die Einführung des Hundeführscheins für sogenannte Kampfhunde hat laut Stadträtin Ulli Sima seit 2010 zu einer deutlichen Reduktion von Bissattacken geführt.

(c) APA/dpa/Marius Becker

Wien. Ulli Sima, Umwelt- und Tierschutzstadträtin in Wien, ist hochzufrieden: „Die Einführung des Hundeführscheins war eine sinnvolle Maßnahme.“ Die Statistik gibt ihr recht: Im Juli 2010 wurde für Halter von sogenannten Kampfhunden verpflichtend eine Prüfung und ein Führschein vorgeschrieben – seither sei die Zahl der Bissvorfälle zurückgegangen, und zwar um 63 Prozent, so Sima.

Bei einer Volksbefragung stimmte Anfang 2010 eine große Mehrheit der Wiener, nämlich 89Prozent, für einen verpflichtenden Führschein für Halter von möglicherweise gefährlichen Hunden. Auf die Liste wurden zwölf Rassen gesetzt, die gemeinhin als Kampfhunde bezeichnet werden, wie etwa Rottweiler, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Mastiff, Dogo Argentino etc.

Alexander Tichy von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat nun die Bissstatistik ausgewertet, wobei der Zeitraum von drei Jahren vor der Einführung des Führscheins (2007 bis 2010) mit den drei Jahren nach Einführung (2010 bis 2013) verglichen wurde. Fazit: Die Zahl der in Wien gemeldeten Hundebisse ist von 967 auf 416 gesunken, also um 57 Prozent. Wenn man die auf der Liste befindlichen Hunde (Listenhunde) allein wertet, ist das Minus noch größer, nämlich 63 Prozent (von 305 auf 114 Bisse). Eingeschlossen sind übrigens auch die Bisse von Hunden an anderen Hunden.

Mit Ende Dezember waren in Wien insgesamt 61.361 Hunde offiziell gemeldet, 3312 davon sind Listenhunde. Gleichzeitig wurden seit Einführung 5227 Hundeführscheine ausgestellt. Die höhere Zahl ergibt sich daraus, weil nicht nur die Besitzer, sondern alle, die mit dem Hund Gassi gehen wollen, die Prüfung absolvieren müssen. Der Schein kostet derzeit 25 Euro, der Preis soll aber mittelfristig erhöht werden, sagt Sima, ohne Details zu nennen. Kontrolliert wird der Führschein vom Veterinäramt (MA 60) bzw. von der Polizei. 700 Strafverfahren wurden in den vergangenen drei Jahren eingeleitet.

Sima betont, dass die Liste der betroffenen Hunde gleich bleibe. Auch der immer wieder diskutierte Schäferhund werde künftig nicht scheinpflichtig. „Da besteht kein Handlungsbedarf“, denn auch bei den Schäferhunden gebe es einen Rückgang der Bissmeldungen – von 42 auf 16 Fälle.

 

Tierschutzhaus: Mehr Hunde

Die Verschärfung der Regeln in Wien für Listenhunde hat in einem anderen Bereich aber zu Problemen geführt. Im Tierschutzhaus in Vösendorf wurden nach 2010 zahlreiche „Kampfhunde“ abgegeben. Die Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, Madeleine Petrovic (Grüne), betont aber, dass sich das „eingespielt hat“. Zwar seien immer noch die Hälfte der etwa 360 Hunde in Vösendorf Listenhunde, aber nur ein ganz geringer Prozentsatz von diesen sei „nicht einfach“ und schwer zu vermitteln. Petrovic will übrigens weiter Tierschutz-Präsidentin bleiben, auch wenn die EU-Wahl positiv für sie ausgehe und sie nach Brüssel ziehe. (g.b.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2014)

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