Gewehr, Revolver, Messer im Klassenzimmer

Der Fall „Zöbern“ mit einer toten Lehrerin und ein erstochener Schüler in Wien als Gewalt-Höhepunkte.

WIEN.Gewaltexzesse an Österreichs Schulen fordern sogar Todesopfer: Ziemlich genau ein Jahrzehnt ist es her, als ein 15-jähriger Schüler in der Hauptschule Zöbern (Niederösterreich) eine Lehrerin erschoss.

Es war der 5. Mai 1997, als Helmut Z. mit der 357er Magnum seines Vaters zum Unterricht kam. Er hatte eine 15-jährige Mitschülerin mit Waffengewalt zu sexueller Hingabe zwingen wollen. Das spätere Opfer, eine 48-jährige Lehrerin, stellte sich schützend dazwischen. Der 15-Jährige drückte ab. Und lief davon.

Um sich den Weg frei zu schießen, feuerte er auf eine andere Lehrerin, die schwer verletzt wurde. Richterin Brigitte Hornberg vom Oberlandesgericht Wien sagte später: „Man kann nicht sagen, der kleine Bub hat nicht gewusst, was er macht.“ Und sie prüfte die Religionskenntnisse des Schülers, indem sie ihn das 5. Gebot („Du sollst nicht töten“) aufsagen ließ.

Der Fall hatte österreichweit eine erste große Debatte um Gewalt in Schulen ausgelöst. Ein weiteres Todesopfer, konnte allerdings nicht verhindert werden: Am 15. September 2005 erstach in Wien ein 15-Jähriger einen Mitschüler im Klassenzimmer. Das Opfer, der 14-jährige Kevin, musste sterben, weil er den Täter zuvor ausgelacht hatte. Ein abgesägtes Kleinkalibergewehr war die Tatwaffe, als sich am 6. Oktober 1993 ein 13-Jähriger in Hausleiten (Bezirk Korneuburg) am Direktor seiner Schule rächen wollte. Dieser hatte den Buben beim Rauchen erwischt. Daraufhin lauerte der 13-Jährige dem Schulleiter auf und verletzte ihn durch einen Schuss in die Schläfe schwer. Danach richtete sich der Schütze selbst.

Auch weitere Fälle sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufregung: So setzte etwa ein 13-jähriger Schüler einer Linzer Hauptschule zwei Klassenkameradinnen ein Fixiermesser am Hals an und bedrohte einen weiteren Mitschüler. Der als „Problemkind“ bekannte Täter wurde von der Lehrerin entwaffnet.


„Kinder, unsere Spiegelbilder“

Am 15. April 2004 stach ein 13-Jähriger in der Hauptschule Wies (Steiermark) eine Mitschülerin nieder. Das Mädchen wurde schwer verletzt. Eigentlich hatte der psychisch kranke Täter eine Lehrerin angreifen wollen, diese war aber gerade nicht anwesend.

Angesichts einer derartigen Chronologie geben jene Worte zu denken, die die Mutter des getöteten Kevin im Gerichtssaal vor den Augen der Öffentlichkeit äußerte: „Auch die Eltern gehören angeklagt. Kinder sind doch nur unsere Spiegelbilder.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2007)

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