Wer steckt hinter dem Donauinselfest?

Kommendes Wochenende findet Europas größtes Freiluftspektakel bereits zum 24. Mal in Wien statt. Im Vordergrund stehen dabei wie jedes Jahr die Künstler, aber auch ein Blick hinter die Kulissen zahlt sich aus.

Symbolbild.
Symbolbild.
(c) ORF/'Das Donaiinselfest 2006'

Nur 13 Prozent der Wiener wissen, dass das Donauinselfest von der SPÖ organisiert wird, so das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Makam. Und auch die Personen, die hinter dem Fest stehen, sind der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Noch am ehesten wird SP-Landesparteisekretär Harry Kopietz mit der Veranstaltung, die heuer von morgen, Freitag bis Sonntag stattfindet, assoziiert.

Er rief 1983 das erste Donauinselfest ins Leben – nur hieß es damals noch nicht so, die offiziell erste Ausgabe fand 1984 statt. Mittlerweile hat der 58-Jährige die operative Arbeit längst abgegeben.

Zum dritten Mal laufen beim heurigen Donauinselfest alle Fäden bei Sascha Kostelecky zusammen. Der 32-Jährige, der unter anderem die Wiener Love Parade organisierte, ist als Projektleiter für das Fest verantwortlich. Seit März widmet er sich den Vorbereitungen, betreut alle 39 Partner und Sponsoren und ist für die Kommunikation nach außen zuständig. Der Weg zur SPÖ führte zunächst über seine sozialdemokratisch geprägte Familie, später über die SP-nahe Agentur Pro Event. „Der junge Kopietz“ wird er vom Inselfest-Erfinder mittlerweile genannt, und auch „legitimer Nachfolger“.

„Ab März geht die Arbeit los“, erzählt Kostelecky. Von da an bis zum Ende des Festes „habe ich eine Sieben-Tage-Woche.“ Rund drei Wochen vor dem Event übersiedelt er von seinem Büro in einen Container auf der Insel – die Einsatzzentrale. Von hier aus koordiniert er Abläufe, führt Gespräche mit Polizei, Feuerwehr und anderen Einsatzorganisationen. Oder er ist auf einem Quad zwischen den einzelnen Bühnen unterwegs.


Zustimmung der Luftfahrtbehörde

Oft sitzt auch Petra Pawelka mit im Sattel. Sie ist unter anderem zuständig für die Anmeldungen bei Behörden. Das beginnt bei der für Veranstaltungswesen verantwortliche MA 36 bis zur Luftfahrtbehörde – wenn etwa Flugzeuge mit Werbetransparenten ihre Runden über der Insel drehen. Daneben wickelt sie sämtliche Materialbestellungen ab, von den 250 Containern, in denen Menschen und Material untergebracht sind bis zum Sanitärbedarf und den Sonderwünschen der Künstler. Nicht immer läuft die Arbeit ohne Missverständnisse ab: „Eine Firma hat angerufen und gemeint, sie möchte ein Transparent aufhängen – und zwar ,auf dem Baum, der da auf der Insel steht‘“, erzählt sie. Skurrile Anfragen ist sie aber gewöhnt, auch vom kleineren Maifest im Prater, für das sie die Verantwortung trägt.

Der Dritte im Donauinsel-Team ist Josef Urban. Er sorgt dafür, dass Container, Mobilklos und Bühnen richtig platziert sind. Der 61-Jährige, hauptberuflich Organisationssekretär der SPÖ Wien und Bezirksvorsteher-Stellvertreter von Hernals, kümmert sich mittlerweile seit 24 Jahren um die technische Organisation. Zwar werden die Bühnen von externen Firmen aufgebaut, doch gerade die müssen koordiniert werden. Immer wieder komme es vor, dass Container Zufahrten blockieren.

Das Kernteam besteht aus 15 Mitarbeitern – fünf SPÖ-Angestellte, der Rest freie Mitarbeiter, die in ihrem Urlaub gegen eine Aufwandsentschädigung mithelfen. Insgesamt arbeiten in den Organisationszentralen 150 Menschen, während des Fests sind es etwa 1000, viele davon ehrenamtlich.


40 Millionen Euro für Wien

Die Stadt Wien steckt rund eine Million Euro an Förderungen in das Event, rund 40 Millionen sollen laut Harry Kopietz in die Kassen der Wiener Wirtschaft fließen. Und was hat die SPÖ selbst davon? Der „Donauinselvater“ sieht dadurch die Organisationsfähigkeit und Schlagkraft der Partei gestärkt, und natürlich hat ein solches Fest auch einen enormen Werbewert – auch wenn den im Endeffekt nur 13 Prozent mitbekommen.

www.donauinselfest.at

IN ZAHLEN

0Promille sollen Jugendliche haben, harte Getränke sind für sie verboten, dazu wird es auch Taschenkontrollen geben.

3Tage dauert das Fest, am Montag folgt mit einem Auftritt der Wiener Symphoniker noch ein „Bonustrack“.

5Notärzte, 14 Rettungsfahrzeuge und rund 150 Sanitäter stellt der Arbeiter-Samariterbund.

6,5Kilometer lang ist das Festgelände auf der Insel.

23Mal fand das Donauinselfest statt, heuer steht Ausgabe 24 an.

40Kilometer Stromkabel wurden verlegt.

260Mobilklos sind auf der Insel zu finden, dazu 31 WC-Container und 2 WC-Wägen.

400Polizisten sind allein am Samstag, dem stärksten Tag, auf der Insel im Einsatz.

2000auftretende Künstler bieten auf 20 Bühnen rund 600 Stunden Programm.

5765Meter Absperrungen sollen für Sicherheit sorgen.

2,720.000Besucher wurden im Vorjahr an vier Tagen gezählt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2007)

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