„Bundesgärten sind nicht die Bösen“

Interview. Bundesgärten-Direktorin Mang erklärt, warum Park-Kontrollen notwendig sind.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Österreichs Bundesgärten sind böse. So lautet zumindest der (mediale) Tenor der vergangenen Wochen. Denn während die Stadt Wien laut und werbewirksam über die Öffnung ihrer Grünflächen zum Sonnenliegen nachdenkt, wurden die Kontrollen in den historischen Gärten (fünf in Wien, zwei in Innsbruck) sogar verschärft. Ein Sturm der Entrüstung war die Folge. Bundesgärten-Direktorin Brigitte Mang erklärte der „Presse“ am Grün des Burggartens, warum sie sich im Gegensatz zu Umweltstadträtin Ulli Sima auch künftig zu Verboten bekennt.

„Wir sind nicht die Bösen“, erklärt die 47-Jährige bei strahlendem Sonnenschein und 30 Grad im Schatten. „Wir tun nur das, wozu wir von Rechts wegen verpflichtet sind.“ Und das umfasse auch den Erhalt historischer Gartenlagen (in Wien sind das die Parks von Schönbrunn und Belvedere, sowie Burg-, Volks- und Augarten). „Schließlich kommt in einem barocken Gebäude auch niemand auf die Idee, ausgerechnet dort Fußball zu spielen.“


Tätliche Angriffe

Ob man zur Verscheuchung von „Schwarz“-Liegern zusätzlich zu den hauseigenen Parkwächtern gleich einen privaten Wachmann engagieren muss? „Ja“, sagt Mang, und deutet dabei auf kahle Stellen der Liegewiese. „Wenn wir nicht kontrollieren, würde es überall so aussehen.“ Es sei aber falsch, wenn nun behauptet wird, dass das erst seit Frühling so ist. „Den Sicherheitsdienst gibt es schon seit Jahren“, erklärt Mang.

Dass ein vermeintliches Bagatelle-Delikt, das Liegen am bundeseigenen Rasen, wie kolportiert mit drakonischen Strafen geahndet wird, entspreche ebenfalls nicht der Wahrheit. Denn während in Gärten der Stadt Wien das Pflücken einer Blume schon einmal 105 Euro kosten kann (der Strafbescheid liegt der „Presse“ vor), werde man auf den Grünflächen des Bundes höchstens aufgefordert, dies zu unterlassen.

Ein großes Problem sei auch das steigende Aggressionspotenzial der Parkbesucher. „Unsere Mitarbeiter wurden sogar schon sexuell belästigt oder tätlich angegriffen.“ Das geschehe meistens dann, wenn Alkohol im Spiel ist. Außerdem habe man gerade im Burggarten so seine Probleme mit dem Drogenhandel. Der klassische Umschlagplatz Karlsplatz liegt quasi um die Ecke, Bäume und Sträucher halten neugierige Blicke fern.

Inzwischen hat es sich eine Gruppe von Jugendlichen im Schatten eines Baumes bequem gemacht. Noch während sich Mang für die brave Szenerie quasi entschuldigt („Es tut mir leid, dass ich Ihnen heute nicht viel zeigen kann“), entfacht die Gruppe ein kleines Feuer aus Zeitungspapier am Rasen. Als ein paar andere schließlich versuchen, einen Ast von einem Baum zu brechen, schreitet ein zufällig vorbei kommender Polizist ein. Mang: „Sehen Sie: Es geht schon los.“


Zucht und Ordnung in den 60ern

War denn früher wirklich alles besser, der durchschnittliche Parkbesucher disziplinierter als heute? „Ja. In den 60er Jahren herrschte selbst im Stadtpark Ordnung“, erinnert sich die 47-Jährige an Berichte von damals. Inzwischen sei der Nutzungsdruck auf Grünflächen rapide gestiegen (und dadurch auch die Probleme). „Die Leute fragen nicht mehr, sondern nehmen sich, was sie wollen.“

Dabei sind, beteuert Mang, die Kontrollen nur zum Besten der Besucher. Wenn nämlich allzu fröhliche Wiesen-Lieger dort ihren Unrat (etwa Glasscherben) hinterlassen und sich ein Nachfolgender daran verletzt, sind die Bundesgärten haftbar. „Und dann sind wieder wir die Bösen.“

LEXIKON

Die Bundesgärten verwalten in Wien die Parks in Schönbrunn und Belvedere, Burg-, Volks- und Augarten. Das Betreten des Rasens ist ausschließlich auf der Liegewiese vor dem Schmetterlingshaus im Burggarten erlaubt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2007)

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