Wien: Benimmregeln der ÖVP für Radfahrer

Die Wiener ÖVP möchte dem "Rowdytum" beim Radfahren den Kampf ansagen: So soll eine Nummerntafeln-Pflicht geprüft werden.

Die Presse (Clemens Fabry)

Die Wiener ÖVP kritisiert das "Rowdytum" von Radfahrern in der Bundeshauptstadt. Sie will dagegen mit Benimmregeln, aber auch mit Gesetzesverschärfungen und strengeren Kontrollen vorgehen. Es gehe um die Sicherheit, beteuerte Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl am Montag, Radfahrer provozieren wolle er damit keineswegs.

"Für viele Verkehrsteilnehmer wird es immer schwieriger, sich neben Radfahrern auch noch fortzubewegen", so Gerstl: "Es gibt eine Minderheit, die nicht verstehen will, dass sie nicht allein auf der Straße ist." Für diese müsse es nun "Schluss mit lustig" sein. Kontrollen sollte eine Stadtwache übernehmen, eine langjährige ÖVP-Forderung.

Gerstl präsentierte ein Forderungspaket: Er will eine verpflichtende Helm- und Ausbildungspflicht für unter 14-Jährige. Eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 10 km/h bei geregelten Radfahrüberfahrten soll eingeführt werden. Im Forderungskatalog enthalten ist auch die Angleichung der Promillegrenze bei Radfahrern analog zu Autofahrern auf 0,5 Promille. "Derzeit dürfen Radfahrer auch mit 0,8 Promille noch die Straßen unsicher machen", so Gerstl. Außerdem will die Wiener ÖVP eine Kennzeichenpflicht für Räder prüfen lassen, um flüchtige Unfallbeteiligte ausforschen zu können.

Zehn Benimmregeln

Laut Gerstls zehn Benimmregeln sollten Radfahrer ihr Gerät nur voll ausgerüstet in Betrieb nehmen, Richtungswechsel per Handzeichen anzeigen, das Rad nicht auf engen Gehsteigen abstellen und während der Fahrt weder telefonieren noch rauchen, essen oder trinken. Wichtig ist ihm auch das langsame und bremsbereite Fahren an Kreuzungen.

Kritiker und Befürworter

"Die ÖVP Wien entlarvt sich mit ihrer kurzsichtigen Anti-Radfahrer-Kampagne einmal mehr als Klimaschutzverhinderer", so der Umweltsprecher der Wiener Grünen, Rüdiger Maresch. Er bezeichnete die Forderungen Gerstls als "überzogen". An allen Unfällen in Wien seien nur zu sechs Prozent Radler beteiligt, davon nur ein Bruchteil schuldhaft.

Für Herbert Madejski von der Wiener FPÖ ist Gerstl der "Blitzgneißer des Tages". Die Freiheitlichen hätten ähnliche Forderungen bereits vor drei Jahren präsentiert. Die Vorschläge Gerstls "lösen das Problem nicht und sind nichts anderes als eine weitere Facette der derzeit in der ÖVP grassierenden Prüfungsforderungswelle für alles und jedes", kritisierte  der Verkehrssprecher der Wiener SPÖ, Karlheinz Hora. (APA/Red.)

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