Der Hund der Elsners musste Gassi – das Flugzeug landete

Urlaub bei Freunden – machte Familie Elsner im Sommer 2000, kurz bevor alles Geld weg war. Gastgeber Wolfgang Flöttl erinnert sich – gut, aber ungern.

WIEN (m.s.). Wenn die Elsners eine Reise tun, dann können nicht nur sie etwas erzählen, sondern auch ihr Gastgeber. Und dabei folgt Wolfgang Flöttl am Mittwoch dem Motto: Es darf gelacht werden.

August/September 2000. Wenige Wochen bevor die Bawag ihr Karibik-Desaster zu spüren bekommt, verfügen sich die Elsners in einen Gulfstream-Jet und fliegen eben dorthin – in die Karibik. Auf die Bahamas. Dort, in allerbester Strandlage, besitzt Flöttl ein durchaus bequemes Anwesen. Vom Aufenthalt der Elsners träumt er heute noch.

Richterin Claudia Bandion-Ortner: „Wieso haben Sie Herrn Elsner eigentlich auf die Bahamas eingeladen?“ Flöttl, auch im Gerichtssaal ein Sir: „Ich will jetzt nicht unhöflich sein, aber er hat sich selbst eingeladen.“ Wie auch immer: Die Elsner-Reise hatte Stil. Flöttl: „Ich musste auf eigene Kosten einen Gulfstream-Jet mieten, ich hatte meinen eigenen ja nicht mehr, der war bereits verkauft.“ Richterin: „Warum machen Sie das alles für den Herrn Elsner?“ „Ich war damals wirtschaftlich von ihm abhängig. Die Bawag war mein einziger Kunde. Die Bawag hätte ihr Investment jederzeit zurückziehen können.“


Ein Bedürfnis von Monti

Schon die Anreise hatte es in sich. Schließlich kam nicht nur Herr Elsner, im Gulfstream-Jet. Es kamen Herr und Frau Elsner. Weiters Elsners Tochter. Deren Mann. Und dessen Mutter. Nicht zu vergessen der – wie sich zeigen sollte – wichtigste „Passagier“: Hund Monti, ein schwarzer Labrador.

Flöttl wirkt heute noch leidgeprüft, wenn er an Monti denkt: „Der Hund hat sich als teurer Hund herausgestellt.“ Dazu müsse man wissen, dass die Gulfstream5, damals „das beste und teuerste Privatflugzeug“ seiner Klasse, extra eine Kiste mitführte. Für die Hinterlassenschaften von Monti. Doch soll ein Monti aus dem Hause Elsner in einer gewöhnlichen Kiste Erleichterung finden? Eben.

Also Zwischenlandung. Flöttl: „Die Bermudas kamen nicht in Frage.“ Dort hätte man den edlen Vierbeiner erst einmal drei Wochen in Quarantäne genommen, ehe ein anständiges Gassi-Gehen erlaubt worden wäre. Auf den Azoren sah man das nicht so eng. Endlich: Zwischenlandung.

Das wollen wir nun genau wissen – und so fragt eine amüsierte Richterin vor nicht minder amüsiertem Publikum: „Was kostet so eine Zwischenlandung?“ Flöttl: „10.000 Dollar.“ Erleichtert flog man dann weiter auf die Bahamas.

Kostenmäßig sei auch zu bedenken, so Flöttl, dass der Jet nach der Anreise leer zurück nach Zürich flog und für die Abreise wieder bestellt wurde. Wie lange die Elsners blieben? Drei Wochen.


„Er wollte, dass wir kommen“

Und der Aufenthalt? Auch hier wählt der höfliche Flöttl eine Umschreibung: „Meine Frau blieb nur zwei Tage.“ Dann kehrte dieselbe, Anne Eisenhower, Enkelin des seinerzeitigen US-Präsidenten, nach New York zurück. Die Richterin ganz direkt: „Hat sie es nicht mehr ausgehalten?“ Flöttl: „Das kann man so sagen.“

Elsners Erinnerungen sind anders: „Er wollte unbedingt, dass wir kommen.“ Und die Zwischenlandung? „Die war zum Auftanken.“ Richterin: „Nicht zum Gassi-Gehen?“ Elsner: „Das wäre ja geradezu lächerlich.“ In der Tat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2007)

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