"Freunde der Wiener Polizei" vor dem Aus

Polizeiskandal. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Vereins-Präsident Adolf Wala: Die Auflösung steht im Raum.

Die presse (Fabry)

Der Korruptionsprozess um den suspendierten Wiener Polizeikommandanten Roland Horngacher zieht immer weitere Kreise. So droht dem im Rahmen des Prozesses ins Zwielicht geratenen Verein der Freunde der Wiener Polizei die Auflösung. Auch die Staatsanwaltschaft will sich die Tätigkeit des Vereins nun genauer anschauen.
Die Fragen der Ermittler lauten: Hat sich die Exekutive jahrelang von einem Netzwerk aus Prominenten, Bankern, Industriellen und Unternehmern aus dem Rotlichtmilieu "unterstützen" lassen und sich im Gegenzug mit dem einen oder anderen "Gefallen" erkenntlich gezeigt? Ist der Verein der Freunde der Wiener Polizei eine Art Lobbying-Agentur, die ihren Sponsoren bei Problemen Kontakt zu den Schaltstellen der Macht verschafft?

"Ganz bestimmt nicht", sagt Adolf Wala, Präsident des Vereins der Freunde der Wiener Polizei im Gespräch mit der "Presse". Dennoch ist die Optik rund um den Verein so schlecht, dass seine Förderaktivitäten bis auf weiteres eingestellt werden. Laut Wala steht auch die völlige Auflösung im Raum. Eine Idee, der auch Wiens Polizeipräsident Peter Stiedl etwas abgewinnen könnte. Wala: "Vielleicht widmen wir uns künftig lieber sozialen Projekten."

Bisher hatte der Verein laut Stiedl folgende  Aufgaben: Er zahlte bei Ehrungen oder Feiern von Polizisten Getränke und Verköstigung. Wenn die Wiener Polizei Gäste beherbergte, wurden bessere Hotels und Restaurants durch den Verein bezahlt. "Bei unserem knappen Budget wäre das nicht möglich", erklärt Stiedl. Neben sozialen Aufgaben finanziert der Verein etwa auch die Preise (Dukaten), die Bürgern für hohe Zivilcourage übergeben werden.

Auch innerhalb der Polizeigewerkschaft findet man nichts dabei, dass der Verein regelmäßig Feierlichkeiten für die Kollegenschaft organisierte und bezahlte. "Im Polizeikommando gab es dafür offenbar zu wenig Geld", so ein ranghoher Funktionär. Zudem seien mehrere Einsatzwagen mit Vereinsgeldern angekauft worden.

Im Zentrum der jüngsten Ermittlungen, die vom Büro für Interne Angelegenheiten (BIA) durchgeführt werden, steht der Kassier des Vereins, der pensionierte Staatspolizei- und Kriminalbeamte Adi Krchov, der jahrelang als rechte Hand mehrerer Polizeipräsidenten fungierte und so Kontakte zu den einflussreichen Wienern und Gästen knüpfte, die beim Präsidenten ein- und ausgingen.

Gegenüber dem "Falter" hatte Krchov zugegeben, hilfesuchende Vereinsmitglieder an entsprechende Stellen "weitervermittelt" zu haben. So soll sich auch ein Besitzer eines Automaten-Casinos, der Mitglied im Verein ist, an ihn gewandt haben. Er berichtete von "Problemen" mit afrikanischer Kundschaft. Krchov habe daraufhin Horngacher aktiviert, der eine Polizeistreife schickte und die Sache "regelte".

Finstere Machenschaften im Hintergrund schließt Vereinspräsident Wala aus. "Über jeden Euro, den wir an Spenden erhalten, führen wir korrekt Buch. Immerhin war ich einst auch Präsident der Nationalbank." Warum sein Kassier dem suspendierten Polizeichef Horngacher Bawag-Reisegutscheine im Wert von mehreren tausend Euro gegeben haben soll, weiß er nicht. "Das ist deren Privatsache und hat mit dem Verein nichts zu tun."

1000 Euro von Milliardär

Das von Medien kolportierte Vereinsbudget von 200.000 Euro jährlich bestätigt Wala nicht. "Nur damit Sie eine Vorstellung von unseren Möglichkeiten haben: Der Milliardär Martin Schlaff fördert uns jährlich mit 1000 Euro." Auch das Gerücht, dass sich auf einer angeblich geheimen Mitgliederliste die Namen bekannter Rotlicht-Größen befinden, sei frei erfunden. "Es stimmt, dass ein gewisser Peter B. um Aufnahme angesucht hat. Aufgenommen wurde er nie."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2007)

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