Kärnten: Arbeitslose bauen eine Burg

Eine „mittelalterliche“ Baustelle soll Besucher nach Friesach, Kärntens älteste Stadt, locken. Kosten: Sechs Millionen Euro.

Guedelon

Friesach. Rosige Aussichten für Langzeitarbeitslose in Kärnten: Wenn das ehrgeizige Burgbau-Projekt in der Stadt Friesach realisiert werden sollte, gibt es für 40 Menschen, die seit langem ohne Beschäftigung sind, wieder einen Job.

Nach französischem Vorbild soll in der ältesten Stadt Kärntens über mehrere Jahre hinweg und auf mittelalterliche Art eine Burg gebaut werden. Die Baustelle ist als Tourismus-Attraktion geplant und wird für die wirtschaftliche Belebung der Region an der steirischen Grenze sorgen.

Gemeinsam mit dem Friesacher Bürgermeister Max Koschitz und Landeshauptmann Jörg Haider hat der Chef des Kärntner Arbeitsmarkt-Service, Josef Sibitz erst kürzlich im französischen Guédelon einen Lokalaugenschein absolviert. Dort hat im Jahr 1997 der Restaurator Michel Guyot in einem aufgelassenen Steinbruch mit einem Burgbau begonnen, der sich mittlerweile zur Touristen-Attraktion entwickelt hat.

Europäische Union und Frankreich haben das Projekt mit einem Zuschuss von 2,5 Millionen Euro gefördert. Mittlerweile trägt sich der Bau durch Eintrittsgelder, Sponsoring, Merchandising und Gastronomie selbst.

Wenn der „Friesacher Burgbau“ Wirklichkeit werden sollte, plant das AMS ein Beschäftigungsprojekt, in dessen Rahmen Langzeitarbeitslose über Jahre hinweg einen neuen Job bekommen können. Sie müssen sich allerdings bereit erklären, mittelalterliche Kleidung zu tragen und mit historischen Werkzeugen zu arbeiten.

Denn wie in Guédelon sollen auch in Friesach alle benötigten Hilfsmittel, wie Tretkräne, Lehrgerüste und Gewölbeschalungen auf der Baustelle selbst hergestellt werden.

In Frankreich haben sich bald nach der Eröffnung der Baustelle Zulieferer angesiedelt, die Dachschindel, Töpferwaren, Fliesen, Nägel, Werkzeuge, Seile, Balken, Wolle und Kleidung herstellen. Außerdem werden Pferde, Schafe, Schweine, Gänse, Hühner und Enten gehalten.

In Guédelon beginnt die Arbeit um 9 Uhr, um 10 Uhr kommen die ersten Gäste, die fast alle Baustellen-Bereiche besichtigen können. Holz für die Gerüste wird im nahe liegenden Wald geschlagen, Steine werden im früher aufgelassenen Steinbruch ausgebrochen, der vor zehn Jahren für den Standplatz der neuen Burg ausgewählt wurde.

Zement und Schrauben dürfen nicht verwendet werden, der Mörtel wird wie im Mittelalter aus Sand, Tonerde und gelöschtem Kalk hergestellt.


Furcht vor Grundstücks-Spekulanten

In Friesach ärgert man sich jetzt darüber, dass die Kunde vom Burgbauprojekt zu früh an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Man befürchtet nun, dass die Preise für die in Frage kommenden Grundstücke explosionsartig ansteigen. Bürgermeister Koschitz hofft dennoch, dass man mit den geschätzten Kosten von sechs Millionen Euro für die nächsten acht Jahre das Auslangen finden wird. Im Jahr 2015 feiert Friesach nämlich das 800-Jahr-Jubiläum der Stadterhebung. Und bis dorthin sollte die „neue“ Burg zumindest in Ansätzen erkennbar sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.11.2007)

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