Interview: „Wollte Priester bleiben und Ja zur Liebe sagen“

Das neue Oberhaupt der Altkatholiken über Päpste, Rassismus und Spiritualität.

APA

Die Presse: Sie waren viele Jahre römisch-katholischer Priester und sind dann zur Altkatholischen Kirche konvertiert. Warum?

Bischof Johannes Okoro: Wenn ein katholischer Priester heiraten will, dann darf er sein Amt nicht mehr ausüben. Ich wollte nicht mehr im Widerspruch leben, ich wollte authentisch sein. Die Altkatholische Kirche war für mich die Möglichkeit, Priester zu bleiben und Ja zur Liebe zu sagen.

 

Ist die Altkatholische Kirche liberaler als die Katholische Kirche?

Okoro: Im Großen und Ganzen ja. Sie ist offener. Man braucht nicht dauernd über Moral reden. Wichtiger ist, dass Menschen ihre Spiritualität entwickeln können.

 

Die Altkatholische Kirche hat sich bekanntlich um 1870 von der katholischen abgespalten, da sie das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes nicht anerkennen wollte. Wie haben Sie denn den jüngsten Papstbesuch in Österreich erlebt?

Okoro: Wenn Päpste versuchen, die Frohe Botschaft zu verbreiten, freut mich das. Ich fand das ganz in Ordnung, was Benedikt XVI. in seinen Predigten gesagt hat.

 

Nigerianer werden in Österreich häufig mit Drogendealern gleichgesetzt. Hatten Sie bisher mit rassistischen Vorurteilen zu kämpfen?

Okoro: Nein. Ich habe in Innsbruck studiert, fast 25 Jahre als katholischer Priester gearbeitet, war viel in Vereinen tätig, führe zwei psychotherapeutische Praxen. Da habe ich keine Vorurteile erlebt. Es ist aber sicher so, dass Nigerianer Probleme haben und in die Kriminalität abgleiten. Aber man muss auch sehen: Warum tun sie das? Weil sie keine Arbeit haben.

Als Bischof können Sie nun das Image schwarzafrikanischer Menschen in Österreich verbessern.

Okoro: Deshalb wurde ich ja auch gewählt. Damit auch die Minderheiten durch mich vielleicht eine starke Stimme bekommen.

 

Welche Ziele haben Sie sonst?

Okoro: Für mich ist Spiritualität ein Schwerpunkt. Ich möchte die Gemeinden besuchen, um zu sehen, wo deren Bedürfnisse liegen. Ich möchte verstärkt in der Öffentlichkeit auftreten und im Rahmen der Ökumene den Dialog mit den christlichen Kirchen suchen.

ZUR PERSON

Johannes Okoro wurde am Wochenende (bei einem Gegenkandidaten) zum neuen Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs gewählt. Er wurde 1949 in Kano (Nigeria) geboren, lebt und arbeitet als Priester und Psychotherapeut in Vorarlberg. Nun will er zwischen Wien und Dornbirn pendeln. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2007)

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