„Barbaren-Akt“: Werbeschild mitten in Kunst-Installation

Aufregung um einem Schriftzug am Flakturm, der in das Anti-Faschismus-Kunstwerk ragt.

Die Presse (Bruckberger)

WIEN. Es sind nur drei Worte, mit denen sich das „Haus des Meeres“ derzeit ein wenig unbeliebt macht: Ganz oben auf dem Esterhazy-Flakturm in Mariahilf steht seit kurzem in blauen Lettern der Schriftzug „Haus des Meeres“. Ganz oben – und damit mitten in der Kunstinstallation, die 1989 als Mahnmal gegen Krieg und Faschismus angebracht wurde.

Dass es sich bei der Installation des Amerikaners Lawrence Weiner um Kunst im öffentlichen Raum handelt, wurde offenbar nicht bedacht, als der Schriftzug wegen Bauarbeiten unten abmontiert und kurzerhand über der Aussichtsterrasse angebracht wurde. Jetzt liest man schon aus der Ferne „Haus des Meeres Smashed to pieces (in the still of the night)“ – eine wohl eher fragwürdige Botschaft.


Stadt Wien ist überrascht

Die Stadt – sie ist Eigentümerin des Flakturms – zeigt sich jedenfalls überrascht. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sei „erstaunt und betroffen“, lässt eine Sprecherin wissen. „Wir sind nicht in Kenntnis gesetzt worden und sehen das als Eingriff in ein Kunstwerk“. Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig spricht man von einer „nicht ganz geglückten“ Aktion. Die MA 32 habe zwar gewusst, dass das Haus des Meeres ein Schild anbringen wolle. „Aber nicht wo und wann“, sagt eine Sprecherin des Stadtrats. Aber: „Als Mieter hat das Haus des Meeres das Recht dazu, wir können da wenig tun.“

Dem widerspricht das Denkmalamt. „Man kann auf ein Kunstwerk nicht einfach ein Schild draufknallen“, sagt Landeskonservatorin Barbara Neubauer, die auch im Gremium des Altstadterhaltungsfonds sitzt. Aus diesem Topf wurde erst 2005 die Restaurierung des Werks um 80.000 Euro finanziert. „Damit wurde gezeigt, dass dieses Kunstwerk eine Wertigkeit besitzt.“ Sprich: nicht verunstaltet werden darf. Eingreifen kann das Denkmalamt aber nicht, denn der Esterhazy-Flakturm steht seit 2003 nicht mehr unter Denkmalschutz: Wegen der vielen Umbau-Wünsche vom „Haus des Meeres“ (das heute, Donnerstag, sein 50-Jahr-Jubiläum feiert) wurde der Flakturm aus dem Denkmalschutz entlassen.

Für den Galeristen Hubert Winter, der sich einst für die Restaurierung eingesetzt hat, ist die Aktion ein „Barbaren-Akt“. Er hat den Künstler, dem die Installation nach wie vor gehört (die Verwertungsrechte liegen bei der Stadt), verständigt. Für Winter zeigt die Aktion „mit erschreckender Deutlichkeit, wie Kunst im öffentlichen Raum in Wien verstanden wird“. Nämlich „gar nicht“. Michael Mitic, Direktor im Haus des Meeres gibt Winter mit seiner Reaktion jedenfalls recht. Mitic versteht die Aufregung nicht. „Der Schriftzug ist ja nur nach oben gewandert“. Dort soll er „vorerst“ bleiben. Oder auch nicht. Stadtrat Ludwig will sich um eine Lösung bemühen, „die die Kunst nicht beeinträchtigt“.

AUF EINEN BLICK: Kunst auf dem Flakturm

Auf dem Dach des Flakturms im Esterhazy-Park wurde 1989 das Konzept-Kunstwerk „Smashed into pieces (in the still of the night)“ installiert. Das Werk von Lawrence Weiner will den Flakturm als Symbol des Nationalsozialismus zum Mahnmal gegen Faschismus umdeuten. 2005 wurde die Installation um 80.000 € restauriert.
Seit genau 50 Jahren beherbergt der Flakturm das „Haus des Meeres“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2007)

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