Otto-Wagner-Spital: Patientin dachte, es "gehört so"

Nach der anonymen Beichte der Pflegerin erhebt nun auch eine ehemalige Patientin Vorwürfe gegen die Akut-Psychatrie im Otto-Wagner-Spital. Sie sei nach einer Panikattacke in einem Netzbett fixiert worden und konnte nicht einmal auf die Toilette.

APA (Herbert Pfarrhofer)
Der Skandal am Otto-Wagner-Spital spitzt sich zu: Nach dem Bericht der Pflegerin offenbarte nun eine ehemalige Patientin ihre Erlebnisse auf der Akut-Psychatrie des Spitals. Sie erklärte, ihr seien im Jahr 2005 die Dinge passiert, von denen die Pflegerin gesprochen hatte. Sie habe sich aber "gedacht, das gehört so".

Die Frau wurde eigenen Angaben zufolge wegen einer Panikattacke ins Otto-Wagner-Spital gebracht. Dabei hatte sie aber nicht getobt, betont sie. Trotzdem habe sie sich auf der Station auf ein Bett mit Gitter legen müssen. Dort wurde sie in der Mitte so festgeschnürt, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. Sie erklärte, sie habe die ganze Nacht so gelegen, auch als sie urinieren musste - ein für sie sehr "demütigendes Erlebnis". Eine Glocke, mit der man das Personal rufen konnte, gab es auf der Station nicht.

Im Interview mit "Wien heute" erklärte die Frau, sie hätte damals nicht daran gedacht, sich an die Patientenanwaltschaft oder die Öffentlichkeit zu wengen. Sie sei davon ausgegangen, dass sich diese Art der Behandlung "so gehöre". Über das Otto-Wagner-Spital fand sie nicht nur negative Worte: Abgesehen von der Akutbehandlung habe sie nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Während der weiteren Behandlung habe es keinen Anlass zur Beschwerde gegeben.

In der vergangenen Woche sorgte der Bericht der Pflegerin auf der Akut-Psychatrie des Otto-Wagner-Spitals für Aufruhr. Sie berichtete der "Wiener Zeitung", dass Patienten oft stundenlang und ohne dezitierte chefärztliche Genehmigung an ihre Betten fixiert werden, da das Personal zu wenig Zeit habe, sich allen Fällen zu widmen. Außerdem erzählte die Pflegerin, dass Patienten oft stundenlang in ihren Exkrementen liegen müssten.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), dem das Spital gehört, erklärte, die Vorwürfe seien "nicht nachvollziehbar". Bei einer Begehung mit Journalisten am Sonntag sagte Susanne Drapalik, Leiterin der Stabsstelle für Sofortmaßnahmen im KAV, man sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort unangekündigt in die betroffenen Stationen gegangen. "Wir haben keinerlei Hinweise gefunden, dass die Anschuldigungen berechtigt sind." Nach einer Begehung am Sonntag wiesen sowohl die Verantwortlichen als auch das Personal eines der von den Vorwürfen betroffenen Pavillons die Anschuldigungen zurück. Es wurde allerdings bestätigt, dass Patienten in Netzbetten kämen und auch fixiert würden. "Nach Aggressionsausbrüchen bei akutem Behandlungsbedarf für die Dauer einer Sedierung werden die Patienten fixiert, damit sie sich nicht die Nadel herausreißen." Es diene "zum Schutz der Patienten vor sich selbst und auch zu unserem Schutz".

(AG/RED)
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