Sturmtief "Paula": Schaden in Millionenhöhe

Das Bundesheer hilft ab Dienstag bei den Aufräumarbeiten. 17 Personen wurden verletzt, Tausende Haushalte sind noch ohne Strom. Versicherungen schätzen den Schaden auf 70 Millionen Euro.

(c) APA (Markus Leodolter)

Das Sturmtief "Paula" hat am Sonntag in weiten Teilen Österreichs, am meisten aber in der Steiermark und in Kärnten, gewütet. Die Versicherungen schätzen den versicherten Schaden auf 70 Millionen Euro, allerdings trudeln laufend weitere Schadensmeldungen ein.

Über 100.000 Haushalte waren zeitweise ohne Strom, zahlreiche Straßen und Bahnverbindungen blockiert. 17 Personen wurden durch herabfallende Äste, Ziegel oder Dachteile verletzt, allerdings ist keine Verletzung lebensbedrohlich. Am Schneeberg wurden Windböen mit 230 km/h gemessen. In der Nacht auf Montag hat sich die Wettersituation entspannt. Die Schadenssumme dürfte weit über jener liegen, die der Orkan Kyrill im Jänner des Vorjahrs verursacht hat.

Der Bahnverkehr zwischen Graz und Bruck an der Mur ist wegen Schäden an der Fahrleitung voraussichtlich bis inklusive Mittwoch nur mit Behinderungen möglich. Der Nahverkehr wird mit Bussen abgewickelt, der Fernverkehr mit Dieselloks aufrechterhalten. Mit Verspätungen ist zu rechnen.

Mehrtägige Aufräumarbeiten

Die Einsatzkräfte gingen davon aus, dass die Aufräumarbeiten noch Tage oder sogar Wochen dauern könnten. Ein Sprecher der Grazer Berufsfeuerwehr sprach von "einem der intensivsten Katastropheneinsätze in der Geschichte der Berufsfeuerwehr."

Ab Dienstag hilft eine ABC-Abwehrkompanie des Bundesheers bei den Aufräumarbeiten in der Steiermark. Auch Kärnten hat um die Hilfe des Heeres angesucht. Tausende Haushalte sind in der Steiermark und in Kärnten immer noch ohne Strom, die lokalen Stromversorger Estag und Kelag arbeiten an der Behebung der Schäden. Im Bezirk Weiz bleiben einige Volks- und Hauptschulen sowie Kindergärten am Montag geschlossen.

Windgeschwindigkeiten
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Angst der Forstwirte vor Borkenkäfer

Das Sturmtief "Paula" verursachte vor allem in den Wäldern große Schäden: In Kärnten etwa wurden 250.000 Festmeter Holz umgeworfen. Die Bäume müssen nun rasch aufgearbeitet werden, um einem Befall mit Borkenkäfern vorzubeugen. Ein Teil des vom Sturm gebrochenen Holzes könne nicht mehr als Sägeholz, sondern nur mehr in der Papier- und Zellstoffproduktion eingesetzt werden. Der Fachverband der Holzindustrie wies darauf hin, dass sich die Märkte noch heuer mit den Auswirkungen von "Kyrill" herumschlügen.

5.600 Feuerwehreinsätze

Wegen des Sturms waren bis Montagmittag 1.200 Feuerwehren mit 17.400 Helfern rund 5.600 Mal im Einsatz. Diese Zahl gab der Bundesfeuerwehrverband bekannt.

Die meisten Einsätze, nämlich 2.000, gab es in der Steiermark, gefolgt von Oberösterreich mit 1.500. In Niederösterreich mussten die Feuerwehren 700 Mal ausrücken, in Kärnten 450 Mal und in Wien 400 Mal. Im Burgenland wurden die Florianijünger 370 Mal zu Hilfe gerufen, in Salzburg 110 und in Tirol 70 Mal.

 

Glück im Unglück für zwei Kärntner

Großes Glück hatten zwei Kärntner, deren Fahrzeuge von Bäumen getroffen wurden. In St. Kanzian am Klopeiner See krachte eine Fichte auf die Motorhaube eines vorbeifahrenden Pkw, die unverletzte Lenkerin fuhr mit dem havarierten Auto noch zu ihrem 300 Meter entfernten Wohnhaus. Kurz darauf entwurzelte der Sturm in diesem Bereich rund 20 weitere Fichten, die alle auf die Gemeindestraße fielen. Ebenfalls unverletzt blieb ein Traktorfahrer, dessen Fahrzeug in Spittal/Drau von einem Baum getroffen wurde.

(APA/Red.)

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