Bundeskriminalamt: Rundumschlag von Ex-Kripo-Chef

Herwig Haidinger spricht von Versuchen, ihn zu korrumpieren.

(c) APA (Herbert Pfarrhofer)

WIEN. Herwig Haidinger ist ab nächster Woche nicht mehr Leiter des Bundeskriminalamtes (BK). Diese Personalentscheidung (die „Presse“ berichtete in einem Teil der Freitagausgabe) war zwar bereits erwartet worden, nicht allerdings, dass nun Haidinger schwere Angriffe gegen das Innenministerium reitet. In einem Interview mit der Austria Presseagentur erklärte Haidinger wörtlich, er sei deswegen nicht mehr wiederbestellt worden, „weil ich mich nicht korrumpieren ließ“. Auf die Frage, wer an ihn herangetreten sei, meinte er: „Es hat eine ganze Reihe von Wünschen und Anliegen von ÖVP-Ministern gegeben.“ In welcher Causa diese Politiker intervenieren wollten? „Es ist um Wünsche und Ansinnen im Zusammenhang mit der Fallführung in der Causa Bawag und in anderen Fällen gegangen.“

Haidinger diente als Leiter des Bundeskriminalamtes den VP-Ministern Ernst Strasser (ihn nahm er von der Kritik aus), Liese Prokop, Wolfgang Schüssel (er leitete nach dem plötzlichen Tod Prokops für einige Tage das Ministerium) und Günther Platter. Alles in allem betrachtet, meinte Haidinger, man sei „äußerst schäbig“ mit ihm umgegangen.


Kritik wurde zum Verhängnis

In der Führungsetage des BK zeigte man sich am Freitag bestürzt über die Aussagen des scheidenden Leiters. Haidinger selbst war für die „Presse“ nicht zu sprechen. Eine Sprecherin von Innenminister Günther Platter erklärte, die Aussagen wolle man nicht kommentieren. Zur beruflichen Zukunft des 54-Jährigen hieß es knapp: „Er wird in der Sicherheitsakademie beschäftigt sein.“

Offen bleibt die Frage, warum Platter den Vertrag des als fachlich versiert geltenden und untadelig agierenden Haidinger nicht verlängert hat. An der „Farbenlehre“ kann es nicht liegen: Der Polizeijurist wird ebenso wie sein Nachfolger als BK-Leiter, General Franz Lang, der ÖVP zugerechnet. Polizeiintern werden aber vor allem zwei Gründe genannt, warum Haidinger in Ungnade gefallen sein dürfte:
•Er plädierte stets für eine starke, zentrale Kripo-Behörde. Das sei allerdings von den Polizei-Reformern um Franz Lang nicht sonderlich goutiert worden.
•Haidinger war ein Kritiker der vom „Team 04“ (Arbeitsgruppe im Innenministerium, die die Polizeireform maßgeblich lenkte) gesetzten Umstrukturierungen. Insbesondere sei er, der Polizeijurist, gegen die Stärkung des Wachkörpers innerhalb der Exekutive gewesen.

Haidinger war einige Jahre neben seinem Amt als BK-Leiter auch stellvertretender Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Eine erste „Degradierung“ erlebte er, als er zu Gunsten von Lang abberufen wurde. Im Sommer 2007 eröffnete ihm schließlich Platter, dass er als BK-Chef nicht wiederbestellt werde.

Lang wird aufgrund der Fußball-EM erst am 1. Juli sein neues Amt antreten. Bis dahin leitet Haidingers Stellvertreterin Andrea Raninger das BK. Im Sucher, S. 43

AUF EINEN BLICK

Herwig Haidinger (Foto) leitete von 2002 bis 2008 das Bundeskriminalamt. Der 54-jährige Linzer ist promovierter Jurist und seit 1975 bei der Polizei. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2008)

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