Floridsdorf: Neues Mega-Spital ohne U-Bahn

Das Krankenhaus Nord wird auf dem ÖBB-Gelände an der Brünner Straße gebaut. Die U6 wird aber nicht verlängert.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

RUST. Die Zeit des Spekulierens ist zu Ende. Das neue Mega-Spital (Krankenhaus Nord) wird in Floridsdorf an der Brünner Straße 68-70 auf einem ehemaligen ÖBB-Grundstück realisiert (siehe Grafik). Das erklärten Bürgermeister Michael Häupl, Vizebürgermeisterin Renate Brauner und Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely am Donnerstag bei der SP-Klubklausur in Rust.

Baubeginn für das Krankenhaus jenseits der Donau ist 2010; die Eröffnung wird etwa drei Jahre später erfolgen, schätzt Wehsely. Noch im ersten Halbjahr 2008 soll ein EU-weiter Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden.

Errichtet wird das Großprojekt vom Konsortium Porr/Siemens/Vamed nach dem PPP-Modell (Private Public Partnership). Das bedeutet: Das Konsortium stellt das 120.000 Quadratmeter große Grundstück zur Verfügung und kümmert sich um Finanzierung samt Bau des Spitals. Wie die Stadt die Kosten von ca. 600 Millionen Euro an das Konsortium zurückbezahlt, ist noch offen. Brauner: „Es werden noch mehrere Möglichkeiten geprüft.“

Darunter auch eine Leasing-Variante. Gleichzeitig behält sich die Stadt vor, das Krankenhaus später vollständig zu übernehmen, sprich: dem Finanzier abzukaufen. Brauner: „Diese Eigentumsoption steht im Vertrag. Es ist wichtig, dass die Stadt die Hand auf dem Spital hält.“


Drei Spitäler übersiedeln

Für die Patienten im medizinisch schwächer versorgten Norden löst das neue Spital einige Probleme. Immerhin werden die wichtigsten medizinischen Abteilungen und Behandlungsmöglichkeiten angeboten, die zum Teil von anderen Krankenhäusern nach Wien-Nord übersiedeln. Das Krankenhaus Floridsdorf, das Orthopädische Spital Gersthof und die Semmelweisklinik übersiedeln geschlossen in den Neubau in Floridsdorf. Vom Krankenhaus Hietzing wandern Herzchirurgie, Kardiologie und Teile der Neurologie über die Donau.

Auch für die Psychiatrie, die zuletzt in die Schlagzeilen gekommen war, gibt es Änderungen. Vom Otto Wagner-Spital wandern (wie geplant) Teile der Psychiatrie in das Krankenhaus Nord, wo es zusätzliche Betten für die Kinder- und Jugendpsychiatrie geben wird. Ein vor längerem angekündigter Plan, der nun umgesetzt wird. In dem Spital wird es nur Ein- und Zwei-Bett-Zimmer geben.

Wehsely hob auch die gute Verkehrsanbindung mit Schnellbahn und Straßenbahn hervor. „Das war ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung.“

Dass es keinen U-Bahn-Anschluss geben wird, ist eine kleine Überraschung. Ursprünglich wurde überlegt, die U6 über die Brünner Straße zum Rendezvousberg (NÖ) zu führen und so das Krankenhaus anzubinden. Nachdem diese Idee nicht umsetzbar war, gab es Überlegungen, die U6 um zwei Stationen zu verlängern – also bis zum Krankenhaus Nord. Immerhin sollte das neue Vorzeige-Spital einen hochrangigen Anschluss bekommen. Auch dieser Plan ist gestorben, wie Verkehrsstadtrat Rudi Schicker der „Presse“ bestätigt: „Die U6 wird nicht verlängert. Diese zwei Stationen wären die teuersten Teilstücke einer U6-Verlängerung nach Niederösterreich. Dafür fehlt das Geld.“


Kein Geld vom Finanzminister

Mit Ex-Wohnbaustadtrat Werner Faymann als Verkehrsminister könnte eine U6-Verlängerung doch kein großes Problem sein? „Finanzminister ist Wilhelm Molterer“, meint Schicker trocken. Gleichzeitig versucht Schicker zu beruhigen: „Die Leistungsfähigkeit von Schnellbahn und Straßenbahn reicht aus.“ Damit das Spital trotzdem besser zu erreichen ist, wird die Linie 31 beschleunigt (Vorrang bei Ampeln etc.) und die Intervalle werden verdichtet. Die S-Bahn-Station Brünner Straße wird umgebaut und bekommt einen verbesserten und behindertengerechten Zugang zum Spital.

Für Heinz Lehner, Bezirkschef von Floridsdorf, auf dessen Druck eine U6-Verlängerung ernsthaft angedacht worden ist, trotzdem ein „Freudentag“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2008)

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