Wien: Bahnhof-City gestoppt

Hauptbahnhof. Das Vergabeamt kippt die Hochhaus-Stadt beim Hauptbahnhof. Der Architekten-Wettbewerb war rechtswidrig.

(c) APA (Hotz / Hoffmann - Wimmer)

WIEN. Knalleffekt am Montag: Die Errichtung des Milliarden-Projektes „Bahnhof City“, des (Hochhaus)areals direkt neben dem künftigen Hauptbahnhof Wien, ist gestoppt. Das Bundesvergabeamt erklärte am Montag, das Großprojekt hätte nach EU-Richtlinien europaweit ausgeschrieben werden müssen.

Das Problem: Die ÖBB hatte nur ausgewählte Architekten für den Wettbewerb eingeladen. Die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH agiere als privatwirtschaftliches Unternehmen und sei daher nicht an das Bundesvergabegesetz gebunden, lautete das Argument.

Die Bundesbahnen gaben sich von der Entscheidung am Montag überrascht, obwohl die Abfuhr abzusehen war. Planungsstadtrat Rudi Schicker hatte sich wegen der rechtlichen Probleme bereits vor Wochen aus der Wettbewerbs-Jury zurückgezogen, genauso der Präsident der Architektenkammer, Georg Pendl. Die ÖBB hatten danach den Architektenwettbewerb auf Eis gelegt. Wie die „Presse“ aus ÖBB-Kreisen erfährt, werden nun zwei Optionen überlegt: Einerseits eine EU-konforme Neuausschreibung; andererseits eine Anfechtung der Entscheidung mit Gang durch alle Instanzen. Die Entscheidung wird davon abhängen, welche Chancen ÖBB-Juristen gegen das Bundesvergabeamt sehen.

Eines steht bereits fest: Beide Möglichkeiten sorgen für eine deutliche Verzögerung des Großprojektes, das bis 2013 realisiert werden soll. Was die ÖBB besonders schmerzen dürfte: Die Bahnhof-City ist nicht nur ein Prestige-Projekt. Das Hochhaus-Areal, das einen 100 Meter-Turm als Krönung erhalten wird, soll auch der künftige ÖBB-Hauptsitz werden. Nebenbei soll die Verwertung dieser Grundstücke auch einen Teil zur Finanzierung des Hauptbahnhofs Wien beisteuern.


Kein Einfluss auf Hauptbahnhof

Das Wiener Planungsressort kommentiert die Entscheidung nur knapp: „Wir hatten das befürchtet.“ Für den Hauptbahnhof selbst hat die Entscheidung des Bundesvergabeamtes keine Bedeutung – es handelt sich um ein eigenständiges Projekt. Was das Planungsressort bestätigt: „Es wird den Bau des Hauptbahnhofs in keiner Weise beeinflussen.“

Der negativen Entscheidung des Bundesvergabeamtes waren Mitte Jänner Beschwerden eines internationalen Architektenkonsortiums vorausgegangen. Es hatte kritisiert, dass ein öffentlicher Auftraggeber das Vergabegesetz umgehe und nicht wie vorgeschrieben EU-weit ausschreibe.

In dem bereits angelaufenen Architektenwettbewerb waren Projekte von Prominenz wie Coop Himmelb(l)au und Hans Hollein vertreten.

DAS PROJEKT

Unmittelbar vor dem Hauptbahnhof soll entlang des Gürtels die sogenannte Bahnhof-City entstehen. Optischer Ankerpunkt ist die ÖBB-Konzernzentrale, die in einem 100 Meter hohen Hochhaus untergebracht sein wird. Neben dem Hochhaus wird das Areal 20.000m2 für Büros, Gastronomie und Geschäfte zur Verfügung stellen. Zusätzlich entsteht ein Parkhaus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2008)

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