1 Pfarrwiese: Der Klassiker

Dort, wo heute mit sanftem Plopp der Tennisball regiert, logierte von 1911 bis 1978 der SK Rapid. Die Pfarrwiese in Hütteldorf (Isbaryg.) gilt als der bekannteste „lost ground“ der Stadt. Da er lange in Betrieb war, lässt sich an ihm die Veränderung des heimischen Fußballs, der bis in die Sechziger vor allem Wiener Fußball war, gut ablesen:

Zum Beispiel die Entwicklung vom Gymnasiasten-Zeitvertreib zum Liebling der Arbeiterschaft. Dabei ist es ein Treppenwitz der Geschichte, dass der „Erste Wiener Arbeiter Fußballclub“ (erster Name von Rapid 1898) sich ausgerechnet im gutbürgerlichen Ausflugsgebiet auf Kirchengrund niederließ. Typisch für „lost grounds“ war auch der stete Zuschauerstrom und das damit verbundene Drama für die Anlagen: Die Pfarrwiese, an sich ein ungünstiges Areal (klein, unregelmäßig) musste ständig ausgebaut werden: Von 4000 Zusehern zu Beginn wuchs die Menge auf 20.000 im Jahr 1921 und 25.000 in der Nachkriegszeit.

Bemerkenswert jedoch die Disziplin der Fans: Obwohl Schulter an Schulter stehend, ist keine wesentliche Gewalttätigkeit überliefert. Trotzdem mehrten sich Mitte der Fünfziger die Beschwerden der (Villen)-Anrainer: Zu wenige Parkplätze, Sicherheitsbedenken. Das Aus kam jedoch aus einer anderen Ecke. In den 70ern plante Wien eine Stelzenautobahn als Verbindung zwischen City und Westeinfahrt und brauchte dafür die Wiese: Rapid übersiedelte ein paar Straßen weiter ins neue Weststadion (Hanappi). Und die Autobahn? Wurde bekanntlich nie realisiert.
[Foto: Bezirksmuseum Penzing, Aufnahme aus 1912]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2008)

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