Herberstein: „Schwarzgeld war üblich“

Am elften Prozesstag in der Causa Herberstein beleuchtete die Richterin dunkle Geldflüsse.

(c) APA (Markus Leodolter)

GRAZ (APA). Der ehemalige Gutsverwalter Heinz Boxan und eine Kassierin waren im Grazer Landesgericht am Dienstag die Hauptakteure des Prozesses um Millionenförderungen für den Tierpark Herberstein. Die Ex-Kassierin des Tierparks bestätigte, dass sie einen Teil der Eintrittskarten schwarz verkauft habe.

Die 51-Jährige gab an, sie habe immer zwei Sorten Karten zum Verkauf bekommen, eine habe sie mit dem damaligen Gutsverwalter Heinz Boxan direkt abgerechnet, die andere mit dem Büro. Ihr Gehalt habe sie – ebenso wie alle anderen – teils überwiesen und teils bar bekommen, erzählte die ehemalige Mitarbeiterin. „Es hat also Schwarzlohnzahlungen gegeben?“, fragte Richterin Elisabeth Juschitz. „Das war dort so üblich“, bestätigte die Befragte.


„Das soll er mir büßen“

Boxan sagte dann, er fühle sich in keiner Weise schuldig. Er schilderte die Umstände, die ihn 2005 Selbstanzeige erstatten ließen. Er habe sich von Andrea Herberstein „gemobbt“ gefühlt. Aus Medien habe er erfahren, dass der Rechnungshof Herberstein prüfe. Gleichzeitig sei ihm zu Ohren gekommen, dass sie gesagt haben soll: „Da steckt sicher Boxan dahinter, das soll er mir büßen.“

Eine Sekretärin sagte aus, dass Boxan die Schwarz-Buchhaltung dann beim Ausscheiden aus dem Betrieb im Jahr 2000 mitgenommen habe – angeblich mit den Worten: „Das ist meine Sicherheit.“ Bei den Verhandlungen über seine Abfindung sollen diese Unterlagen eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Er hat das kompromittierende Material zwar vernichtet, der Staatsanwaltschaft bei der Selbstanzeige aber dennoch Unterlagen übermittelt: Er hatte auch geheime, eigene Aufzeichnungen geführt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2008)

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