Inzestdrama: Geständnis des Grauens

24 Jahre Gefangenheit - laut Polizei ist das abscheuliche Verbrechen "im Großen und Ganzen" aufgeklärt. Der 73-jährige Josef F. hat weitestgehend gestanden.

 - Eine von einer Decke verhüllte Person beim Verlassen des Amstetter Gebaeudes der Bezirkspolizeiinspektion am Montag.
 - Eine von einer Decke verhüllte Person beim Verlassen des Amstetter Gebaeudes der Bezirkspolizeiinspektion am Montag.
(c) AP (Ronald Zak)

"Dieser Kriminalfall sprengt alle Dimensionen, die wir bisher gekannt haben", sagte der NÖ-Sicherheitsdirektor Franz Prucher am Montag bei einer Pressekonferenz in Amstetten. Der tragische Missbrauchs-Fall Elisabeth F. sei "im Großen und Ganzen geklärt". Der mutmaßliche Täter, der 73-jährige Josef F., hat gestanden, seine damals 18-jährige Tochter im Jahr 1984 gegen Ihren Willen in den Keller gesperrt und sie mehrmals vergewaltigt zu haben. Der 73-Jährige wurde der Justiz nach St. Pölten überstellt, in 14 Tagen ist eine Haftprüfung vorgeschrieben.

Die heute 42-jährige Elisabeth F. wurde in den vergangenen 24 Jahren von ihrem Vater in einem 60 Quadratmeter großen Kellerverlies eingesperrt und missbraucht. Sieben Kinder hat der nun 73-Jährige mit der gefangenen Tochter gezeugt, eines starb kurz nach der Geburt. Dessen Leiche wurde von Josef F. im Heizofen verbrannt. Drei der Kinder lebten mit der Mutter in Gefangenschaft und erblickten nie das Tageslicht. Die anderen drei Kinder lebten bei Josef F. und seiner Ehefrau.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit seiner Gattin hat der 73-Jährige ebenfalls sieben Kinder. Es gibt laut Polizei keine Hinweise auf Missbrauch der Geschwister von Elisabeth F. Ob Josef F. Reue über seine Tat empfinde, sei nicht Gegenstand der Vernehmung gewesen, sagte Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich (LK NÖ). Er sei auch von den befragenden Kriminalisten nicht angehalten worden, sein Vorgehen zu rechtfertigen - dafür werde der 73-Jährige Gelegenheit bei der Justiz haben.

 

(c) APA


Aufgeflogen war der Fall, weil die 19-jährige Tochter von Elisabeth F. am 19. April mit lebensgefährlicher Erkrankung ins Krankenhaus Amstetten eingeliefert wurde. "Das Kind hatte enorme Probleme und litt unter Krampfanfällen", sagte Polzer. Über die Medien kam der Aufruf an die Mutter, sich mit den behandelnden Ärzten in Verbindung zu setzen. Elisabeth F. flehte ihren Vater an, sie zu ihrer Tochter zu lassen. Diesem Druck habe Josef F. schließlich nachgegeben.

 

Fenster in die Freiheit


Nach einem Hinweis wurden Josef F. , Elisabeth F. und zwei Kinder nach dem Spitalbesuch von der Polizei abgefangen. Bei den Beamten dürfte Elisabeth F. plötzlich "ihr Fenster in die Freiheit" gesehen haben, so Polzer. Die 42-Jährige vertraute sich in der Folge ihnen an. Der Zustand der 19-jährigen Tochter sei "kritisch, aber stabil", sagte Primarius Albert Reiter. Sie werde beatmet und mit Antibiotika behandelt.

Alles inszeniert


"Er hat alle getäuscht, alles inszeniert", meinte Polzer. Keiner habe etwas bemerkt, auch Besucher nicht. Er habe die 42-Jährige Briefe schreiben lassen, in denen die Gefangene selbst mitteilen musste, dass ihr das alles sehr leidtäte. Der Verdächtige habe sie als missratene Tochter hingestellt, die drei Kinder weglegte, die in der Folge bei dem 73-Jährigen und seiner Ehefrau aufwuchsen. Mögliche Mittäter schloss Polzer dezitiert aus: "Es gibt darauf keinerlei Verdachtsmomente." Der 73-Jährige habe zugegeben, der Vater zu sein - und habe als einziger Zugang zu dem Kellerverlies gehabt.

Der Vater hat mit Lügengeschichten die Gefangenschaft seiner Tochter verheimlicht: Kurz nach ihrem Verschwinden tauchte ein Brief auf, in dem die damals 18-Jährige gebeten haben soll, nicht nach ihr zu suchen. Später soll der Verdächtige die Legende verbreitet haben, die Vermisste sei bei einer Sekte im Ausland. Der Verdächtige habe ein "perfektes Doppelleben geführt", sagte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze.

Gefängnis wie Wohnung


In dieselbe Kerbe schlägt Gabriela Peterschofsky-Orange von der NÖ Kinder- und Jugendanwaltschaft (KIJA): "Es hat nie Beschwerden gegeben. Die Familie war ein unbeschriebenes Blatt." Die Familie sei ins Gemeindeleben integriert, an den Legenden des Mannes habe niemand gezweifelt. Polzer meinte, der 73-Jährige sei "vital und umtriebig gewesen".

Das Verlies im Keller sei wie eine "Wohnung" eingerichtet gewesen, sagte Gerhard Sedlacek, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, inklusive Dusche, WC, Kochecke, Fernseher und Radio. Als die Tochter 1984 in den Keller gezerrt worden war, hatte sie laut Polzer zunächst einen Raum (mit Sanitäreinrichtung) zur Verfügung. Im Lauf der Zeit dürften Durchbrüche und Anbauten erfolgt sein. Sein Opfer sowie die aus der inzestuösen Beziehung entstandenen Kinder hat Josef F. mit Nahrung und dem Notwendigsten versorgt.

(APA/Red.)

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