Bundesheer: Garde an Grenze ihrer Belastbarkeit

Aufgaben nehmen zu, Wiens Traditionsverband kämpft mit Überlastung.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

WIEN. 350 Auftritte der Gardemusik, 120 Einsätze der Ehrenkompanien, 1600 auszubildende Rekruten, daneben noch Assistenzdienst an der Staatsgrenze und – bei Bedarf – Hilfestellung für Katastropheneinsätze. Und das alles pro Jahr. Die Garde, der traditionsreiche Wiener Verband für Repräsentations- und Infanterieaufgaben, steht an der Grenze ihrer Belastbarkeit. „Es ist richtig, die Garde muss pro Jahr sehr viele Grundwehrdiener ausbilden, manchmal ist da die Grenze der Belastbarkeit schon überschritten“, erklärt Franz Reiszner, der scheidende Wiener Militärkommandant im „Presse“-Gespräch. Die Garde mit Sitz in der Maria Theresien-Kaserne ist der einzige noch in Wien verbliebene präsente Infanterieverband.

Die Belastung ist auch deshalb so groß, weil – im Gegensatz zu vergangenen Jahren – immer weniger Wiener Rekruten in Kasernen außerhalb Wiens ihre Grundausbildung absolvieren. „Durch die Reform ist das Bundesheer nun einmal kleiner geworden“, meint Reiszner.

Aus der Garde selbst ist zu hören, dass bei sechs Einrückungsterminen pro Jahr und Assistenzeinsätzen die Fort- und Weiterbildungskurse für das Kaderpersonal auf der Strecke bleibe. Reiszner kann dem jedoch nicht beipflichten. Laut Stefan Kirchebner, Kommandant des Garde-Bataillons, absolvieren derzeit 25 seiner Soldaten die Unteroffiziersausbildung. „Ein guter Schnitt, ich bin zufrieden“, so Kirchebner. Im Garde-Bataillon, das in sechs Kompanien gegliedert ist, sind rund 200 Ausbildner beschäftigt. „Für die komplexen und vielfältigen Aufgaben der Garde gibt es einfach zu wenig Ausbildner“, kritisiert hingegen ein Offizier aus dem Verteidigungsministerium.

An manchen Einrückungsterminen weisen bis zu 50 Prozent der Soldaten einen Migrationshintergrund auf. Gröbere Probleme, außer anfänglichen Sprachschwierigkeiten würden sich dadurch aber keine ergeben, heißt es im Heer.

Allerdings: Als auch Bekannte von Mohamed M., dem mutmaßlichen Terroristen aus Wien, in der Garde gedient haben sollen, schrillten beim Heeresabwehramt die Alarmglocken. Daher mussten während des Papstbesuches im September alle Ehren-Gardisten mit schießuntauglichen Waffen ausrücken.


Wien erhält neuen Heeres-Chef

Wiens Militärkommandant wechselt, wie berichtet, mit 1. Juni als Logistik-Chef ins Verteidigungsministerium. Bei der Entscheidung, wer der neue Wiener Heereschef wird, hat auch das Wort von Bürgermeister Michael Häupl Bedeutung. Ähnlich wie bei der Bestellung des Polizeipräsidenten muss ein Einvernehmen mit dem Bürgermeister hergestellt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2008)

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