Kasachen-Affäre: Gutachten belastet Ex-Botschafter

Rachat Alijew, der frühere Botschafter Kasachstans in Österreich, nunmehr wegen Mordverdachts in Wien in U-Haft, gerät immer stärker unter Druck.

Rachat Alijew
Rachat Alijew
Rachat Alijew – (c) EPA (Hbf/Dragan Tatic)

Wien. Es ist die Nacht auf den 6. Juni: Der frühere Botschafter Kasachstans in Österreich, Rachat Alijew, reist auf Anraten seiner Anwälte eilig von Griechenland nach Wien-Schwechat. Er weiß, was ihn erwartet. Gegen ihn liegt ein Europäischer Haftbefehl vor. Noch am 6. Juni wird über den Ex-Diplomaten und einstigen Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten, Nursultan Nasarbejew, die U-Haft verhängt. Wegen des Verdachts, Alijew habe gemeinsam mit Landsleuten zwei kasachische Banker ermordet. Skype-Gespräche darüber sind aufgezeichnet worden. Wie sich nun herausstellt, dürften die Aufzeichnungen authentisch sein.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien arbeitete die Linzer Kriminaltechnikerin Friederike Blümelhuber eine Stimmvergleichsanalyse aus. Sie sollte per Video geführte Einvernahmen von Alijew und auch Einvernahmen des Mitbeschuldigten Alnur Mussayev (er war kasachischer Geheimdienstchef, sitzt nun wie Alijew und noch ein dritter Mann, ein Exleibwächter Alijews, in U-Haft) mit abgehörten und aufgezeichneten Skype-Gesprächen vergleichen. Mit Gesprächen nämlich, die Mussayev und Alijew jeweils mit einem früheren Berater des Ex-Botschafters geführt haben. Diese Unterhaltungen belasten Alijew massiv.

Angaben über Leichenfundort

Laut Angaben der Wiener Anwaltskanzlei Lansky, Ganzger + Partner (sie vertritt die Witwen der mutmaßlichen Alijew-Opfer) unterhielten sich die Männer über den Ort, an dem die Leichen der ermordeten Bankmanager später aufgefunden wurden. Auch ein falsches Alibi für Mussayev sowie ein angeblich schriftlich vorliegendes Mordgeständnis von Alijew seien besprochen worden.

Laut dem Gutachten sind zumindest die Stimmen, die bei den aufgezeichneten Skype-Gesprächen dokumentiert sind, auch tatsächlich den Verdächtigen zuzuordnen. Und zwar „eindeutig“. Dieser Umstand widerspricht also der These der Alijew-Verteidigung, wonach es sich um ein Komplott der kasachischen Führung gegen Alijew handle und serienweise gefälschte Belastungsbeweise in Umlauf gesetzt würden. So ist es kein Wunder, dass das Gutachten ein Mitgrund für den Haftbefehl ist.

Ob das erwähnte Mordgeständnis echt ist, wird noch geprüft. Warum Alijew (es gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung) ein schriftliches Geständnis abgelegt haben soll, wollte Opferanwalt Gabriel Lansky noch nicht erklären. Eine derzeit im Raum stehende Begründung, wonach Alijew ursprünglich mit Kasachstan kooperieren wollte, wirkt jedenfalls wenig überzeugend.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2014)

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