Demografie: Mehr Deutsche als Türken

Österreichs Bevölkerung wuchs 2007 um 0,4 Prozent. Hauptgrund ist die starke Zuwanderung aus der EU.

(c) AP (Diether Endlicher)

Wien (awe). Österreichs Bevölkerung wächst – und für westeuropäische Verhältnisse nicht zu knapp. Am 31. Dezember 2007 waren exakt 8,331.930 Personen in Österreich gemeldet. Das sind um 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Zahlen gab die Statistik Austria am Montag bekannt.

Der Zuwachs ist jedoch nicht auf eine Trendumkehr bei der Fertilität, sondern auf die Attraktivität des Landes im Ausland zurückzuführen. Lediglich 1600 Bewohner der insgesamt 33.007 „Neuzugänge“ sind nämlich Neugeborene. Die überwältigende Mehrheit des Zuwachses entstand durch Zuwanderung.

 

(c) Statistik Austria


Starker Zuzug aus Rumänien

Das für die Demografen dabei Erstaunliche ist, dass die sogenannten klassischen Zuwanderungsländer dabei immer mehr an Bedeutung verlieren. Als regelrechte Bevölkerungs-Motoren hingegen entpuppen sich nun immer mehr Länder aus der Europäischen Union, allen voran Deutschland.

Genau 124.088 Deutsche waren zum Stichtag hierzulande gemeldet. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von 9,2 Prozent oder 10.420 Personen. Noch 2002 registrierte die Statistik in Österreich gerade einmal 75.000 Deutsche.

Wegen des starken Zuzugs wurde die türkische Bevölkerungsgruppe (109.716) inzwischen auf Rang drei verdrängt. Jene aus Serbien und Montenegro (133.692) muss das Staffelholz des Führenden vielleicht schon im kommenden Jahr abgeben. Warum das so ist?

„Als Bürger eines Landes der ,alten‘ EU-14 haben deutsche Staatsbürger praktisch keine Motivation, hierzulande einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen“, sagt Stephan Marik-Lebeck von der Statistik Austria. Umgekehrt sei dies aber bei Bürgern aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei sehr wohl der Fall. In der Statistik schlägt sich das in einem Minus (-1,7 Prozent bei Ex-Jugoslawen) oder einem geringeren Wachstum (0,8Prozent bei Türken) nieder.

Jene Migranten-Gruppen mit dem relativ gesehen stärksten Wachstum sind die Communities aus Rumänien und Bulgarien. Länder also, die erst im Vorjahr der EU beitraten. Die Zahl der in Österreich gemeldeten Bürger aus diesen beiden Ländern (die Statistik spricht auch von den EU-2), nahm im Vorjahr um 22,8 Prozent oder 6834 Personen zu. Die rumänische Gemeinschaft (28.712) gehört damit bereits jetzt zu den stärksten des Landes. Bulgaren waren hierzulande zuletzt 8080 gemeldet.

Das insgesamt recht kräftige Bevölkerungswachsum wirkt sich auf regionaler und lokaler Ebene sehr unterschiedlich aus. Auf Ebene der Bundesländer fiel der Zuwachs in Wien mit 0,8 Prozent mit Abstand am stärksten aus. Es folgen Niederösterreich (0,5), Tirol, Vorarlberg (je 0,4), das Burgenland (0,3), Oberösterreich, Salzburg (je 0,2) und Kärnten (0,1). Wien liegt damit genau im „Plan“ für eine im Vorjahr veröffentlichte Studie, laut der die Bundeshauptstadt bis 2035 zwei Millionen Einwohner haben wird.


Speckgürtel profitiert

Lokal gewannen die Umland-Bezirke von Wien („Speckgürtel“) am stärksten dazu (siehe Grafik). Graz schaffte es wegen seiner strengen Melde-Politik in die Top-10.

Mit sinkender Bevölkerung haben wie schon in den vergangenen Jahren das grenznahe Waldviertel (Bezirke Gmünd und Zwettl) sowie Mur- und Mürztal (Mürzzuschlag, Leoben, Murau, Judenburg) zu kämpfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2008)

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