Stadt des Kindes: Hälfte der Anlage wird abgerissen

Auf dem Areal entsteht Wohnbau. Dafür müssen aber von fünf bestehenden Wohnhäusern drei abgerissen werden. Grüne Kritik an der Stadt Wien.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

WIEN.Aufregung um die ehemalige „Stadt des Kindes“ in Wien Penzing. Die in den siebziger Jahren errichtete architektonisch bedeutende Wohnanlage wird jetzt zu einer Wohnanlage umgebaut. Dafür müssen aber von fünf bestehenden Wohnhäusern drei abgerissen werden, um Neubauten zu weichen. „Das Bad und die Sportanlagen bleiben zwar erhalten, aber in Summe bleibt weniger als die Hälfte der Anlage erhalten“, klagt die Grüne Planungssprecherin Sabine Gretner, die einen „Skandal“ ortet.

„Immerhin ist das ein Vorzeigebau des Sozialen Wien, da hätte man sich schon bessere Lösungen einfallen lassen können.“ Am Montag wird das Projekt im Gemeinderatsausschuss für Wohnbau abgesegnet. Indirekt. Denn formal wird im Ausschuss eine Änderung des Kaufvertrages zwischen Stadt Wien und der Wohnbaugesellschaft Arwag, die die Anlage 2005 erworben hat, beschlossen. Durch diese Änderung wird es dem Bauträger ermöglicht, den „Neubauanteil durch Abbruch des Altbestandes zu erhöhen“, heißt es in der Begründung der MA 69.

Im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig werden die Vorwürfe zurückgewiesen. Es sei jahrelang nach Lösungen gesucht worden; man sei bemüht, möglichst viel von der ursprünglichen Substanz zu erhalten.


Sozialpädagogisches Projekt

Die Stadt des Kindes wurde Anfang der 70er Jahre von Architekt Anton Schweighofer erbaut. Interessant war einerseits der sozialpädagogische Aspekt der Anlage (Pflegekinder wurden aufgenommen und blieben bis zur Erwerbsfähigkeit in Betreuung der Stadt) andererseits wurde die städtebauliche Form mit architektonischem Lorbeer bedacht.

Durch die Dezentralisierung der Jugendbetreuung verlor die Stadt des Kindes in den neunziger Jahren ihre Funktion; die letzten Kinder und Jugendgruppen verließen die Anlage Ende 2002. Zwischenzeitlich diente das Areal dann auch als Flüchtlingslager.

2005 erwarb die Arwag die 50.000 Quadratmeter große Anlage um 4,7 Mio. Euro. Errichtet werden sowohl freifinanzierte als auch geförderte Wohnungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2008)

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