Wiener Linien: Aus für Endlosschleife am Ring

Die Straßenbahnlinien 1 und 2 werden über neue Routen geführt und lösen J, N und 65 ab. Eine Runde mit der Bim um den Ring gibt es nur mehr zu besonderen Anlässen. Der D-Wagen wird zur Linie 3.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)


WIEN (eko). Nicht mehr dumm im Kreis herumfahren – diesen legendären Spruch, mit dem Niki Lauda einst seinen Abschied vom Rennsport ankündigte, haben sich nun auch die Wiener Linien zu Herzen genommen: Die Straßenbahnlinien 1 und 2 werden ab 26. Oktober nicht mehr als Rundlinien um die Ringstraße geführt. Ein neues Konzept, das am Mittwoch vorgestellt wurde, sieht vor, dass die beiden Linien zu sogenannten Durchgangslinien werden, die von einem Stadtteil über das Zentrum in einen anderen Stadtteil führen.


Der „Einser“ fährt dann vom Stefan-Fadinger-Platz in Favoriten über die Wiedner Hauptstraße zur Oper – wie jetzt die Linie 65 –, am Ring im Uhrzeigersinn zum Schwedenplatz und schließlich – wie jetzt der N-Wagen – über den dritten Bezirk bis zur Prater Hauptallee. Für 65 und N bedeutet das das Ende, sie werden mit Übernahme des neuen Routenkonzepts eingestellt. Auch die Linie J wird es mit Übernahme des Winterfahrplans nicht mehr geben. Die Strecke von der Ottakringer Straße zum Ring wird dann von der Linie 2 befahren, die dann den Ring gegen den Uhrzeigersinn befährt und am Schwedenplatz in die Taborstraße einbiegt. Dort übernimmt der „Zweier“ die N-Route bis zum Friedrich-Engels-Platz.

 

 


„Die Intervalle werden gleich dicht wie bisher sein“, verspricht Wiener Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Gleichzeitig werden die Betriebszeiten verlängert – auf der Josefstädter Straße soll man dann bis etwa 0.30 Uhr eine Straßenbahn erwischen, heute ist es gegen 23.30 schon vorbei. Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass mit der neuen Linienführung die vier U-Bahn-Linien U1, U2, U3 und U4 miteinander verbunden sind, ohne dass die Fahrgäste dazwischen umsteigen müssen. So wie auch generell weniger Umsteigevorgänge notwendig sein würden.


Und schließlich bedeutet die neue Linienführung auch ein Ende für die Stehzeiten am Ring. Bisher mussten die Ringlinien am Schottenring bzw. am Stubentor sogenannte Ausgleichszeiten einhalten, weil sie durch die Rundführung keine Endstationen haben. Diese Unterbrechungen fallen für den Fahrgast beim neuen System weg. All diese Vorteile sollen dafür sorgen, dass noch mehr Menschen das Straßenbahnnetz nutzen – man rechnet mit 700.000 zusätzlichen Fahrgästen pro Jahr.


Ein Vergnügen, das sogar in Reiseführern angeführt wird, hat aber ausgedient – die Sightseeing-Runde um den Ring ist in der bisherigen Form nicht mehr möglich. Wer die Innenstadt in Zukunft umrunden und die Bauten der Ringstraße aus dem Fenster fotografieren will, muss künftig einmal umsteigen. Allerdings, so die Verantwortlichen, würden ohnehin nur wenige diese Rundfahrten wirklich machen. Und für all jene, die nicht darauf verzichten wollen, werden Sonderfahrten um die Ringstraße möglich sein – zu bestimmten Anlässen, so das Versprechen. Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner sieht die Änderungen jedenfalls positiv – immerhin sei dadurch auch das Hundertwasserhaus ohne Umsteigen vom Ring aus erreichbar. Außerdem, so meinen die Wiener Linien, sei ja auch der Wasserturm in Favoriten, der auf der Linie 1 liegt, „architektonisch hochinteressant“.

 

Aus für den 71er


Mit der neuen Linienführung von 1 und 2 ist das Konzept aber noch nicht beendet. Künftig sollen alle Durchgangslinien, die um das Zentrum fahren, mit einer Ziffer benannt werden. Die Linie D, deren Linienführung vom Südbahnhof über den Ring bis nach Nußdorf unverändert bleibt, soll 2009 zur Linie 3 umbenannt werden, gleichzeitig folgt mit der Linie 4 eine weitere Durchgangslinie: Der „Vierer“ hört heute noch auf den Namen 71er, sein Verlauf von Kaiserebersdorf bis zum Schwarzenbergplatz wird über den Ring bis zur Börsegasse verlängert. Eine alte Wiener Tradition wird damit allerdings zu Grabe getragen – mit dem 71er auf den Zentralfriedhof zu fahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2008)

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