Österreich/Ungarn: Lederfabrik wehrt sich gegen Greenpeace-Kritik

Im Streit um die Verschmutzung der Raab geht „Wollsdorf Leder“ in die Offensive.

schäumendes Wasser
schäumendes Wasser
(c) Bilderbox

GRAZ (hoe). Schaum in der Raab, dem steirisch-burgenländisch-ungarischen Grenzfluss, sorgte vor zwei Jahren für Krieg zwischen Umweltgruppen, oststeirischen Lederfabriken sowie Behörden und Politikern bis auf Ministerebene in Ungarn und Österreich, ja bis auf EU-Ebene. Es ging um teils die Grenzwerte übersteigende Schadstoffwerte in Abwässern, die von den Fabriken „Boxmark“ und „Wollsdorf“ Leder in die Raab strömten.

Weil „Greenpeace“ jüngst wieder stichelte, geht Joachim Haidacher, Geschäftsführer von Wollsdorf Leder, in die Offensive: Man wisse, „dass nicht alles passt“, nur gehe die Kritik ins Leere, da vieles, was gefordert werde, schon erledigt sei. So habe man die von Greenpeace verlangte Verfahrensumstellung bereits vor einem Jahr mit dem Umweltministerium beschlossen. Dafür habe man 1,2 Millionen Euro investiert.

 

Was ist mit dem Blütenstaub?

Jüngst habe man die Konzentration von „1,5-Naphthalindisulfonat“ im Abwasser um 70 Prozent gesenkt. „Und das unabhängig davon, ob Greenpeace schreit“, so Haidacher. Zudem wirke der Stoff gar nicht schaumbildend, wundert er sich darüber, dass kommunale Kläranlagen in der Region, Blütenstaub oder Pflanzenschutzmittel-Rückstände als mögliche Verursacher außer Acht gelassen worden seien. Auch verstehe er nicht, warum sich Umweltschützer und ungarische Politiker „so massiv auf einen kleinen (820 Mitarbeiter, 102 Millionen € Umsatz, Anm.) oststeirischen Betrieb stürzen“, wo doch Verschmutzungsmengen etwa in Deutschland weit höher lägen.

Das Land Steiermark habe vermutlich auch irrtümlich zu hohe Schadstoff-Werte im Fluss gemessen. Seitens des Bundes vermisst er ministerielle Unterstützung: „Wir fühlen uns vom zuständigen Minister alleine gelassen“, ärgert sich Haidacher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2008)

Kommentar zu Artikel:

Österreich/Ungarn: Lederfabrik wehrt sich gegen Greenpeace-Kritik

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen