Drogen: 10.000 Patienten in Substitutionsbehandlung

In Wien verweist man auf die Erfolge der Versorgung von Abhängigen mit Ersatzdrogen. In ganz Europa habe sich gezeigt, dass die Abgabe von Ersatzdrogen die Beschaffungs-Kriminalität stark verringert werden könne.

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(c) APA (Helmut Fohringer)

Immer mehr Opiatabhängige in Österreich gelangen in eine medizinische Therapie, die sie wieder stabilisieren kann. "Wir schätzen die Gesamtzahl der Substitutionspatienten bereits auf mindestens 10.000. Etwa 7.000 in Wien, 3.500 in den Bundesländern. Hingegen können wir pro Jahr nur rund 100 Abhängige 'abstinent' machen - und die bleiben es nicht alle." Dies erklärte nun Wiens Drogenbeauftragter Alexander David. Mittelfristig wird man sich in der Bundeshauptstadt wohl auch der Frage stellen, wie man mit jenen Opiatabhängigen umgeht, die partout nicht vom intravenösen Drogengebrauch per Spritze wegkommen.

Nicht nur die meisten Patienten in Opiat-Substitutionsbehandlung, auch die beste Übersicht zur aktuellen Situation will man in Wien haben. David, der 1985 als Arzt die ersten Opiat-Abhängigen mit Drogensubstitutionsmitteln versorgte: "In Wien werden alle von den Amtsärzten vidierten Rezepte auf Substitutionsmittel gezählt. Daraus können wir die Zahl der Patienten gut abschätzen."

"Kein Zweifel an Behandlung"

Am Wert der Substitutionsbehandlung kann laut David und auch gemäß dem Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel mittlerweile nicht mehr gezweifelt werden. Der Arzt: "Wir brauchen mehrere Maßnahmen. Wir benötigen niederschwellige Angebote an die Drogenabhängigen. Wir brauchen Spritzentausch-Programme. In ganz Europa hat sich gezeigt: Wo es Drogensubstitutionsprogramme gibt, verhindert man ein unheimliches Maß an Beschaffungskriminalität."

Auch wenn in Polizeimeldungen nach dem Auffinden von Drogentoten sehr oft ein Präparat aus der Reihe der retardierten Morphine als Ursache genannt wird, die Realität sieht laut Dressel anders aus: "Der überwiegende Teil der Drogentoten befand sich nicht in Substitutionsbehandlung." David: "An 'Substitol' (retardiertes Morphin zur Substitutionsbehandlung, Anm.) stirbt man nicht allein. Woran der überwiegende Teil der Opfer stirbt, das ist der Mischkonsum von Opiaten, Schlafmitteln, das sind die Benzodiazepine und Alkohol. Sie haben teilweise einen additiven Effekt, können sich aber auch potenzieren."

Zugang abgebrochen

2007 gab es zwei Verordnungen aus dem Gesundheitsministerium, welche die Substitutionstherapie und die für die Behandlung notwendigen Qualifikationen für Ärzte neu bzw. erstmals österreichweit regelten. Die heftig diskutierten Verordnungen werden derzeit - noch immer - auf Verbesserungsmöglichkeiten geprüft.

Dressel: "Wir sind mit den Verordnungen im Großen und Ganzen zufrieden. Vor allem die Mitgabe von Substitutionsmitteln lässt sich besser kontrollieren. Die Situation in anderen Bundesländern sieht aber ein bisschen anders aus. Der Zugang zur Substitutionstherapie ist in einigen Bundesländern drastisch eingebrochen, weil viele Ärzte ausgestiegen sind." Im Gegensatz zu Wien gäbe es auch nur in ganz wenigen Bundesländern eine Honorierung der niedergelassenen Ärzte für die Betreuung von Drogenpatienten.

Heftige Diskussion

Die Verordnungen des Gesundheitsministeriums zur Drogenersatztherapie haben Ende 2006/Anfang 2007 für heftige Diskussionen gesorgt. In der Bundeshauptstadt Wien ist man mit ihnen aber relativ zufrieden, auch wenn man die mit der Substitutionsbehandlung verbundene Bürokratie gern reduziert und die Nennung von zwei Medikamenten - Methadon und Buprenorphin - als "Mittel der Wahl" gerne gestrichen sähe.

Wiens Drogenbeauftragter Alexander David hat die Zahlen für die Mitgaberegelungen für Substitutionsmittel parat. Hier wurde vor den Verordnungen das Abfließen eines beträchtlichen Anteils von Medikamenten in den Schwarzmarkt kritisiert. Demnach kam es im November 2006 - also vor den Verordnungen - zu 1.673 Dauerverschreibungen mit "kontrollierter Einnahme" (am ehesten vor dem Apotheker), in 3.249 Fällen zu einmal wöchentlicher Abgabe, in 652 Fällen zu einer zweimal wöchentlichen Abgabe und in 1.002 Fällen zu anderen Mitgaberegelungen. Im Mai 2007 - also mit Geltung der Verordnungen - waren es 3.699 Fälle mit kontrollierter Einnahme, 2.575 mit einmal wöchentlicher Abgabe, 282 mit Abgabe zweimal wöchentlich und nur noch 571 mit anderen Mitgaberegelungen.

(APA)

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