Jazz-Klub: Wem gehört der Name „Birdland“?

Zwist um Zawinuls Erbe: Der Sohn des Musikers plant ein neues Jazz-Lokal.

(c) APA (Barbara Gindl)

Wien (uw/APA). Das „Birdland“ ist tot, es lebe das „Birdland“? Mitten in den seit August laufenden Konkurs über den Jazz-Klub „Joe Zawinuls Birdland“ platzte nun die Wortmeldung von einem der Söhne der verstorbenen Musikerlegende: Tony Zawinul, der in Mailand als Regisseur lebt, will das „Birdland“ wiederbeleben.

Und zwar selbst, mit neuem Konzept und neuem Standort, der noch nicht fix ist. Nur so viel: Im Hilton-Hotel (Landstraße) wird es nicht sein, sei doch die Lage schuld gewesen, dass nur „Anzugsträger“ ins Lokal kamen. Das neue „Birdland“ will sich hingegen leger geben und soll ein Zawinul-Minimuseum inkludieren: „Bereits beim Reingehen soll man die Vibes von Joe merken“, sagt Tony Zawinul. Als Eröffnungstermin peilt er mit seinem Wiener Team 2010 an, eventuell will man eine internationale Kette starten. Bis es soweit ist, sollen Events unter dem Titel „Joe Zawinuls Birdland“ veranstaltet werden, damit der Name erhalten bleibt.

Apropos Name: Was bedeutet der Vorstoß von Zawinul eigentlich für die Bemühungen von Karl Resch, Nochgeschäftsführer des alten, derzeit geschlossenen „Birdlands“ um einen Zwangsausgleich und eine Wiedereröffnung? Immerhin beansprucht Zawinul die Rechte am Markennamen und stellt klar: Sollte im Hilton wieder etwas als „Birdland“ aufmachen, dann gäbe es „Ärger“.

 

Auch das noch: Die Zawinul-Schule

Ganz so simpel, meint Resch zur „Presse“, sei es jedoch nicht. So ist es, wie Masseverwalter-Stellvertreter Daniel Lampersberger bestätigt, strittig, ob der Birdland-GmbH das Nutzungsrecht für den Namen vor dem endgültigen Konkurs gekündigt werden kann. Außerdem wurde die Verlassenschaft (inklusive Markenrecht) auch noch nicht vollzogen.

Ob das alte „Birdland“ sich retten kann, wird sich demnächst weisen. Theoretisch ist ein Zwangsausgleich bis zum Ende des Konkursverfahrens möglich, faktisch wird aber bald eine Entscheidung erwartet. Laut Resch laufen Gespräche mit Banken sowie Privatinvestoren. Er schätzt, dass 200.000Euro nötig seien, um den Konkurs abzuwenden.

Indessen gibt es auch noch eine dritte Partei, die sich zwar nicht für den Namen „Birdland“, aber für „Zawinul“ interessiert: der dritte Bezirk. Auf Initiative der Bezirks-VP will man eine Umbenennung der Musikschule Landstraße erreichen. Denn: „Die Schule hat bereits einen Jazz-Schwerpunkt und soll überdies vergrößert werden“, sagt Georg Schüller, Bezirksvorsteher-Stellvertreter (VP). Mit Einwänden der Familie rechnet er nicht: „Markenrechtlich ist das kein Problem. Das ist doch eine Ehre.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2008)

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