Wer hat Angst vor Clowninnen?

Die Clowns kommen in die Stadt – ganz ohne Zirkus, aber mit weiblicher Verstärkung. Nächstes Wochenende startet in Wien das internationale Festival der Clownfrauen.

verena vondrak
verena vondrak
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Eher klein, Augen blau, Haare lang und braun. Verena Vondrak sieht nicht aus wie jemand, vor der man sich fürchten muss. Trotzdem weiß sie, dass ihr Job einigen Menschen Angst macht. Vondrak ist nämlich Clown, genauer gesagt Clownin.

Coulrophobie, so heißt die extreme Furcht vor Clowns und ein wenig versteht Vondrak das Unbehagen: „Es hat wohl mit einem Kindheitstrauma im Zirkus zu tun.“ In der Manege müsse man plakativ und derb agieren. „Gemeinsam mit der grellen Schminke mag das erschrecken.“ Vondrak selbst kann sich mehr Subtilität leisten. Sie zählt zu den – wie man sie hilfsweise nennen könnte – „Bühnen-Clowns“, die weder zum Zirkus gehören noch Akrobaten auf Cirque-du-Soleil-Niveau sind, sondern mit ihrem (Erwachsenen-)Programm auf Festivals oder Kleinbühnen auftreten.

Das Format ist in Österreich wegen der mangelnden Varieté-Tradition (Kabarettbühnen winken meist ab) ungewohnt, gewinnt aber an Boden. So eröffnete Vondrak kürzlich mit anderen Clowns das wohnzimmerkleine „Theater Olé“ im 3. Bezirk. Und nächstes Wochenende startet in Wien das internationale Festival der Clownfrauen.

Denn von zirka 100 professionellen heimischen Clowns sind mindestens die Hälfte Clowninnen, Tendenz steigend. „In den Clownseminaren“, sagt Vondrak (in Österreich gibt es keine großen Clownschulen), „sitzen vor allem Frauen.“ Begonnen habe dies vor zehn Jahren, parallel zu einer Minirenaissance der Clownerie, ausgelöst durch die „CliniClowns“ und „Roten Nasen“. Sie machten ab den Neunzigern das „gesunde Lachen“ populär. Heute, sagt Willibald Ruch, Humorforscher und Leiter der Fachgruppe Persönlichkeitpsychologie und Diagnostik der Uni Zürich, boomt das Thema in jeder Sparte. Humor für Gesundheit oder Karriere – nichts, wozu es kein Buch oder Seminar gebe.

Wahrscheinlich existiert auch eines zum geschlechterspezifischen Humor, obwohl sich darüber, sagt Ruch, seriös, ohne ideologische Färbung wenig sagen lasse. Nur, meint Vondrak, dass Clownfrauen gern mit weiblichen Klischees arbeiten wie der Putzfrau, die tolpatschig der Liebe hinterherstolpert. „Aber vielleicht“, gibt sie zu, „ist das eine Generationensache“. Was Martha Laschkolnig unterschreiben würde. Ihre akrobatische Performance sieht die 28-Jährige schlicht als „meinen Teil der Weltverbesserung“, als „kindliche Energie, die Leute berühren will.“ Immerhin beginnt der Weg fast aller Clowns bei den Kindern. Wobei, so Vondrak, Auftritte bei Kindergeburtstagen „hart sein können“. Und schmerzhaft – Stichwort: der „Ist die echt?“-Nasentest.

 

Guerilla-Clowns im Anmarsch

Die global verständliche, weil meist stumme, Clownerie hat aber auch andere Einsatzgebiete. Neben dem als „Clowning“ in L. A. bekannten Hiphop-Tanz kostümierter Jugendlicher ist das die „Rebel Clown Army“. 2003 fielen als Clowns verkleidete Demonstranten erstmals in England auf, inzwischen gehören sie zum Repertoire linkspolitischer Proteste. Auch in Österreich. „Sie streichen Polizisten mit Federn übers Gesicht, deuten Küsse an“, sagt Rupert Meixner vom Landesamt Wien für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Das sei zwar „ungut“, ernste Probleme (auch wegen verbotener Vermummung) habe es aber nie gegeben. Die „echten“ Clowns finden das bedingt lustig. „Irgendwie“, sagt Vondrak, „ist das Missbrauch.“ Und doch etwas gruselig.

TERMINE & ADRESSEN

Theater Olé: 1030, Beatrixgasse3a

Clownin: Internationales Clownfrauenfestival, 28.11. – 6.12., Kosmostheater, 1070, Siebensterngasse 42, www.clownin.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2008)

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