Aids: U-Bahn-Fahren verboten

Dank besserer Medikamente leben Betroffene von HIV/Aids heute länger. Doch Diskriminierungen erschweren ihren Alltag. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt haben es HIV-Positive und Aids-kranke schwer.

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Wien. Ein HIV-positiver Patient soll in einem Krankenhaus operiert werden. Auf den Namensschildern an Zimmertür und Bett findet sich alsbald ein Vermerk: „HIV-positiv.“

Es ist nur ein Fall von vielen, wie er in einem aktuellen Bericht der Aids-Hilfen Österreichs dokumentiert ist: Noch immer, so scheint es, gelten Österreichs 12.000 bis 15.000 Betroffene von HIV/Aids (siehe Grafik) als Ausgestoßene – und Todgeweihte.

Aus medizinischer Sicht ist das aber längst nicht mehr der Fall: Rasante Entwicklungen in der Therapie haben, zumindest im Westen, aus einer tödlichen Krankheit in vielen Fällen eine chronische Erkrankung gemacht. Die Realität – auch das heimische Gesundheitswesen, wie das Beispiel nahelegt – hält mit den medizinischen Verbesserungen dagegen nicht Schritt.

Vor allem auf dem Arbeitsmarkt haben es HIV-Positive und Aids-kranke schwer. Obwohl die HIV-Infektion – im Gegensatz zur Aids-Erkrankung – nicht dem Arbeitgeber gemeldet werden muss, verlangen manche Unternehmen – wie etwa Austrian Airlines bei der Pilotenausbildung – einen Pflicht-test von Bewerbern. Immer wieder kommt es zu Kündigungen, auch wenn ein Mitarbeiter „nur“ HIV-positiv ist. Freilich sei das im Einzelfall schwierig nachzuweisen, sagt Elke Schlitz, Geschäftsführerin der Aids Hilfe Wien. „Es wird etwas anderes vorgeschoben.“

Auch das AMS würde HIV/Aids-kranke kaum auf den ersten Arbeitsmarkt vermitteln. „Sie kommen nur in zeitlich befristete Projekte – das bedeutet keine ständige Beschäftigung“, so Schlitz. „Dabei könnten sie alles machen, wozu sie ausgebildet sind.“ Denn von Rechts wegen gibt es nur ein Berufsverbot: Prostitution – übrigens auch die Inanspruchnahme von gewerblichem Sex – ist Menschen mit HIV/Aids verboten.

Auch im Bildungswesen gibt es Hürden: Ist ein Kind an Aids erkrankt, muss dies in Schule und Kindergarten gemeldet werden; in Vorarlberg und Tirol gar, wenn eine im selben Haushalt lebende Person betroffen ist.

 

Wr. Linien: Aidskranke verboten

Diskriminierungen gibt es auch dort, wo man sie nicht unbedingt vermuten würde: Viele öffentliche Verkehrsbetriebe – darunter die Wiener Linien – verbieten die Beförderung von Aidskranken, da Aids als „anzeigepflichtige übertragbare Krankheit“ gilt. Früher einmal sollte diese Bestimmung eine Übertragung von Tuberkulose unter den Fahrgästen verhindern, „heute wird Aids unberechtigterweise dazugemischt“, kritisiert Schlitz. „Man differenziert nicht zwischen Übertragungsarten.“

Bei den Wiener Linien argumentiert man mit Schutz im Versicherungsfall. Man würde die Bestimmung aber sowieso nicht exekutieren. Eine typisch österreichische Lösung – und für die Betroffenen nur ein schwacher Trost.

(c) Die Presse / HR

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2008)

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