"Lebensmensch" ist Wort des Jahres 2008

Seine Bedeutungs-Ambivalenz und sein hoher emotioneller Wert machen "Lebensmensch" zum Wort des Jahres. Zum Unwort wurde "Gewinnwarnung" ernannt. Hickersberger lieferte den Spruch des Jahres.

Stefan Petzner und sein Lebensmensch Jörg Haider (r.).
Stefan Petzner und sein Lebensmensch Jörg Haider (r.).
(c) APA (Barbara Gindl)

Tränenreich hatte Stefan Petzner um seinen "Lebensmenschen" Jörg Haider getrauert. Nun wurde dieser Ausdruck zum österreichischen Wort des Jahres 2008 gewählt. Seine Bedeutungsambivalenz und sein hoher emotioneller Wert machen "Lebensmensch" zum Wort des Jahres, attestierte die siebenköpfige Fachjury unter der Leitung von Professor Rudolf Muhr vom Institut für Germanistik in Graz. Das Wort wurde aufgrund gegensätzlicher Verwendungsweisen von vielen Wählern auch als Unwort klassifiziert, von der Mehrheit aber als Wort des Jahres gereiht.

Auf Platz zwei kamen die "Krocha", der dritte Rang geht an die "Wachteleierkoalition" aus dem heurigen Wahlkampf. Die "Krocha" - eine ostösterreichische Jugendkulturbewegung, die im abgelaufenen Jahr stark in Erscheinung getreten ist - ist die erste derartige österreichische Jugendkultur seit Jahrzehnten, die durch sprachliche Originalität gekennzeichnet ist und für die die Lebendigkeit der österreichischen Jugendkultur steht, lautete die Begründung der Jury.

"Gewinnwarnung" ist das Unwort des Jahres

Ein Wort, das die wahren Sachverhalte in höchstem Maße verschleiert, wurde zum Unwort ernannt: "Gewinnwarnung". Es ist aus sprachlicher Sicht interessant, da es scheinbar vor Gewinnen warnt, tatsächlich aber Verluste bzw. verminderte Gewinne meint.

"Heimatpartei" und "Kulturdelikt" werden ebenfalls zu den Unwörtern gezählt. Tatsächlich bezweckt "Heimatpartei" die Monopolisierung des Begriffs Heimat durch eine bestimmte politische Gruppierung und den Ausschluss aller anderen Auffassungen von Heimat. Der Begriff "Kulturdelikt" stammt von Innenministerin Maria Fekter (V), die im Wahlkampf 2008 erklärte, es müsse für Verbrechen wie Ehrenmord oder Zwangsheirat ein eigener Strafrechtsparagrafen geschaffen werden.

Spruch des Jahres von Hickersberger

"Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen." Dieser von Josef Hickersberger während der Fußball-EM getätigte Sager wurde als Spruch des Jahres 2008 gewürdigt. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der "eleganten und witzigen Umschreibung bestimmter Verhältnisse im österreichischen Fußball, die in bester literarischer Tradition der österreichischen Selbstironie steht".

"Es reicht" ist der Unspruch

Der ehemalige ÖVP-Chef und Vizekanzler Wilhelm Molterer leitete mit den Worten "Es reicht" das wichtigste politische Ereignis des laufenden Jahres ein und schaffte es damit immerhin zum Unspruch des Jahres 2008. Der Sager signalisiere einen völligen Kommunikationsabbruch sowie die Weigerung, sich mit Sachinhalten auseinanderzusetzen, für die man eigentlich gewählt worden war, so die Jury.

Deutsches Wort des Jahres: "Finanzkrise"

Auch in Deutschland wurde das Wort des Jahres gewählt. Gewonnen hat heuer die "Finanzkrise". Der Ausdruck fasse die dramatische Entwicklung im Banken-, Immobilien- und Finanzsektor zusammen, teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die wirtschaftliche Krise sorgte auch für das zweitplatzierte Wort: "verzockt".

Auf den weiteren Rängen folgten "Datenklau", "hessische Verhältnisse" und "Umweltzone". Die Gesellschaft wählt jedes Jahr zehn Worte aus, die die öffentliche Diskussion besonders geprägt haben. Wort des Jahre 2007 war die "Klimakatastrophe".

(APA/Red.)

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