Schnee: Kärnten fürchtet neues Mittelmeertief

Am Montag soll das nächste Tief Oberkärnten neue Schneefälle bringen. Die Gefahr durch Lawinen und Dachlawinen ist groß. Die Straße ins Lesachtal ist wieder befahrbar.

Starke Schneefälle in Kärnten und Osttirol
Starke Schneefälle in Kärnten und Osttirol
(c) APA (Philipp Brunner)

Der Winter hat Kärnten und Osttirol weiterhin fest im Griff. 102 Zentimeter Neuschnee sind am Freitag in Dellach im Gailtal binnen 48 Stunden gefallen, was nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ein 80-jähriges Ereignis darstellt. Und ein Ende der Schneefälle ist nicht in Sicht. Es droht bereits das nächste Mittelmeertief, das für Montag und Dienstag weitere Niederschläge befürchten lässt. Ein Lichtblick: Die Straße ins Lesachtal ist seit Sonntagabend wieder befahrbar. Die Ortschaften zwischen Kötschach Mauthen und Obertilliach in Osttirol waren nach den heftigen Schneefällen mehrere Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten gewesen.

Am Sonntag bildete sich über dem Golf von Genua erneut ein kräftiges Tiefdruckgebiet, das laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik am Montag für weite Teile Österreichs wetterbestimmend sein wird. In Oberkärnten könnten rund 20 Zentimeter Neuschnee in höheren Lagen fallen, in den Tälern dürfte es teilweise Schneeregen geben. Unterkärnten, das in den vergangenen Tagen vom Schnee völlig verschont geblieben ist, dürfte auch diesmal leer ausgehen, in den Niederungen wird es durchwegs regnen, die Schneefallgrenze liegt bei 700 Meter und darüber. Für Dienstag sind weitere Niederschläge angekündigt.

In Kötschach Mauthen im Bezirk Hermagor wurden in einer Großaktion die Dächer abgeschaufelt, dafür gab es Unterstützung durch 100 Soldaten. In den Karnischen Alpen und teilweise in den Karawanken galt Lawinenwarnstufe vier ("groß"), in den Hohen Tauern wurde das Risiko nur noch mit Stufe drei ("erheblich") bewertet. Zahlreiche Straßen blieben wegen Lawinengefahr gesperrt, darunter auch die Zufahrt zu mehreren Skigebieten. Viele Seitentäler Süd- und Osttirols waren für den Verkehr nicht erreichbar

Bahnverkehr wieder aufrecht

Im Bahnverkehr hat sich die Lage entspannt. So konnten die ÖBB die Linie von Villach nach Udine wieder in Betrieb nehmen, ebenso die Bahnstrecke von Spittal nach Lienz. Blockiert ist weiterhin die Strecke von Lienz nach Sillian, die Gailtalbahn von Arnoldstein nach Kötschach Mauthen soll am Montag in der Früh wieder fahren, sagte ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch.

Schwierigkeiten gab es mit der Stromversorgung. Wie die Kelag bekanntgab, waren am Freitag noch rund 2500 von zunächst 3000 Haushalten ohne Strom. Betroffen waren das untere Gailtal, Gitschtal, das obere und untere Drautal, das Liesertal sowie die Karawanken. Wann alle Schäden beseitigt sein würden, stand vorerst nicht fest.

35 Meter breite Dachlawine

In der Osttiroler Bezirksstadt Lienz fiel binnen zwei Tagen die Rekordmenge von 102 Zentimetern Schnee. Am Freitag verschüttete dort eine 35 Meter breite und 120 Zentimeter hohe Dachlawine sechs Autos. Menschen kamen entgegen erster Befürchtungen nicht zu Schaden. "Durch die Schneemassen von bis zu eineinhalb Metern bekommen wir laufend Meldungen von durchhängenden Flachdächern bei Geschäften", sagte der Lienzer Feuerwehrkommandant Walter Lamprecht. Teilweise fielen sogar Deckenplatten herunter. Die 25 Mann der Feuerwehr seien im Dauereinsatz, um die Dächer von Schnee zu befreien.

In Spittal brach eine 20 Meter lange Fahrradüberdachung aufgrund der Schneelast in sich zusammen. In Liesing im Lesachtal verschüttete eine Lawine einen Teil eines Wohnhauses, es entstand zum Glück kein Schaden. Im gesamten Lesachtal gingen ständig Dachlawinen ab, am Donnerstagabend wurden dabei zwei Menschen verletzt, am Freitag wurden mehrere Autos verschüttet. Die Polizei riet den Lesachtalern dringend davon ab, zum Abschaufeln der Schneemassen auf die Dächer zu steigen. Ein Tierarzt aus Winklern im Mölltal ist in der Nacht auf Freitag von einem Schneebrett mitgerissen worden. Der 36-Jährige konnte sich selbst aus den Schneemassen befreien, er blieb unverletzt.

(APA/Red.)

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