Dioxin: Das Ultragift aus der Chlorchemie

Die Substanzgruppe zählt zu den giftigsten Stoffen. Zu den möglichen Folgen gehören Krebs, Fehlbildungen bei Ungeborenen und Unfruchtbarkeit.

Dioxine und chemisch verwandte Stoffe gehören zu den giftigsten organischen Verbindungen. Sie können die Entstehung von Krebs fördern, Fehlbildungen bei Ungeborenen (teratogen) und Unfruchtbarkeit verursachen. Die Aufnahme erfolgt vor allem über Nahrungsmittel. Besonders durch Fleisch, Milch und Fisch können Dioxine in den menschlichen Körper gelangen und sich bevorzugt im Fettgewebe festsetzen. Der Körper braucht Jahre, um eine Dioxin-Belastung zu reduzieren.

"Ultragift" und "Seveso-Gift" - so werden Dioxine seit rund 30 Jahren bezeichnet. Sie wurden ursprünglich in Herbiziden und Entlaubungsmittel (zum Beispiel in Agent Orange, das im Vietnam-Krieg verwendet wurde) eingesetzt. Insgesamt sind rund 210 chemische Verbindungen bekannt. Bei der gesamten Substanzgruppe handelt es sich um sogenannte chlorierte Arylalkylcarbonsäuren, die überall in der Umwelt vorhanden sind. Die moderne Chlorchemie ist eine Quelle, Dioxine wurden aber auch in mehrere hundert Jahre alten Bodenproben festgestellt.

Bekannt ist vor allem die Verbindung 2,3,7,8-TCDD (Tetrachlordibenzo-p-Dioxin). Es handelt sich dabei um jene Substanz, die sich nach einem technischen Gebrechen bei der Herstellung des Desinfektionsmittels Hexachlorophen am 10. Juli 1976 im Chemiewerk Icmesa S.A. (Hoffmann-La Roche) in Seveso (Lombardei) in Form einer giftigen Wolke über die Region ausbreitete und für die bis dahin größte Chemie-Katastrophe sorgte.

Akute Dioxin-Vergiftungen schädigen vor allem die Leber (Leberkoma). Auf der Haut kann es zu langwierigen Entzündungen der Talgdrüsen (Chlorakne) kommen. Weiters kann die Substanz die Balance des Hormonhaushalts zerstören und das Immunsystem empfindlich schwächen.

Chlor-Chemie, Müllverbrennung (Kunststoffe), Stahlindustrie, ehemals auch die Papierbleiche mit Chlor etc. haben im Zusammenhang mit Dioxinen seit "Seveso" regelmäßig für Diskussionen in der Öffentlichkeit gesorgt. Anfang der 90er Jahre wies der schwedische Dioxin-Spezialist Christoffer Rappe nach, dass Menschen in der BRD pro Tag mit ihrem "Lebensmittelkorb" etwa 1,2 Pikogramm Dioxin aufnahmen (Pikogramm = ein Billionstel Gramm).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte nach intensiven Beratungen bei einer Tagung in den Niederlanden 1990 den Grenzwert der täglichen Aufnahme von Dioxin von vier auf zehn Pikogramm pro Kilogramm Körpergewicht hinauf. Ende Mai 1998 wurde der Wert bei einer Versammlung von 40 Fachleuten aus 15 Staaten in Genf wieder auf den alten Wert gesenkt. Berücksichtigt werde damit die "Hintergrundbelastung" von zwei bis sechs Pikogramm, die es in entwickelten Staaten geben könne, lautete die Begründung.

(APA)

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