Entführungs-Versuch: Polizei steht vor einem Rätsel

Sollten Kinder gekidnappt werden? Hinweise aus der Bevölkerung zu den angeblichen Entführungs-Versuchen gab es bisher keine. Auch Zeugen haben sich bisher nicht gemeldet.

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(c) APA (Karl-Josef Hildenbrand)

WIEN(stög.). Knapp eineinhalb Wochen sind vergangen, seit zwei Buben – beide neun Jahre alt – angaben, Opfer einer versuchten Entführung geworden zu sein. Die beiden Fälle sollen sich auf offener Straße, bei Tageslicht, mitten in Wien abgespielt haben. Die Polizei konnte seither allerdings keine Anhaltspunkte finden, die zu einem (oder mehreren) mutmaßlichen Kidnapper führen. Der Fall bleibt daher weiter mysteriös.

„Einer der Buben wurde noch einmal zum Hergang einvernommen. Er bleibt bei seinen Angaben“, berichtet ein Kripo-Ermittler. Über die Einvernahmen des anderen Schülers wurde hingegen nichts bekannt.

Hinweise aus der Bevölkerung zu den angeblichen Entführungsversuchen gab es bisher keine. Auch Zeugen, die verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben könnten, haben sich bis Montag nicht gemeldet, so die Polizei. „Wir nehmen das alles aber sehr ernst und sind sensibilisiert“, heißt es bei den Ermittlern zu den beiden Fällen. Verstärkte Maßnahmen seien derzeit aber nicht gesetzt worden.

 

Kennen sich die Opfer?

Am Freitag, dem 27.Februar, soll ein Mann versucht haben, am Concordiaplatz in der Nähe der Börse (Innere Stadt) einen Neunjährigen in ein dunkles Fahrzeug zu zerren. Wenige Stunden zuvor, gegen zwölf Uhr, soll es in der Müllnergasse im neunten Bezirk (nur wenige Gehminuten vom Landeskriminalamt entfernt, Anm.) zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein. Dort soll ein Unbekannter einen ebenfalls Neunjährigen an der Hand genommen und versucht haben, ihn wegzuzerren. Für die Polizei verwertbare Beschreibungen der mutmaßlichen Entführer, die etwa als Grundlage zur Anfertigung eines Phantombildes dienen könnten, existieren aber keine.

Inoffiziell ist aus Ermittlerkreisen allerdings leiser Zweifel an der Darstellung der beiden Neunjährigen zu hören. Seit Bekanntwerden der Fälle versuchen Kripo-Beamte auch zu klären, ob sich die beiden Buben kennen und sich möglicherweise gemeinsam eine Geschichte ausgedacht haben. Offiziell gibt es dazu aber keine Hinweise. Ein Fahnder deutete allerdings im Gespräch mit der „Presse“ an, dass sich die beiden möglicherweise aus dem Internet kennen könnten.

Die Ermittlungen der Polizei zum mutmaßlichen Entführungsfall wegen versuchter Freiheitsentziehung dauern somit an.

Auf einen Blick

Entführungsversuche. Zwei Schüler gaben unabhängig voneinander an, am 27. Februar Opfer einer versuchten Entführung geworden zu sein. Einer der beiden Neunjährigen sollte im ersten Bezirk in einen Pkw gezerrt werden, der andere soll im neunten Bezirk von einem Unbekannten an der Hand genommen worden sein. Die Kripo ermittelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2009)

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