HCB in Kärnten: Vorerst nur Trinkwasser unbedenklich

Im Kärntner Görtschitztal wurden umfangreiche Messungen beauftragt, nachdem Hexachlorbenzol in Mildch nachgewiesen worden war. Gemüse und Obst aus der Gegen sollten zunächst nicht verzehrt werden.

Im Kärntner Lebensmittelskandal rund um mit dem Umweltgift HCB (Hexachlorbenzol) verseuchte Milch aus dem Görtschitztal ist am Freitag die Landesregierung öffentlichkeitswirksam aktiv geworden. Bauern und Bürgermeister wurden über die Situation informiert, es ergingen Empfehlungen und Handlungsanweisungen an die betroffene Bevölkerung.

Der Genuss von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten ist den Görtschitztalern derzeit nicht zu empfehlen, sagte die Umweltmedizinerin des Landes, Barbara Kohlweg. Gesichert sei derzeit lediglich die Unbedenklichkeit des Trinkwassers. Alle anderen Proben seien noch ausständig. "Inwieweit eine chronische Belastung stattgefunden hat, lässt sich momentan nicht seriös sagen", so Kohlweg.

Der Umfang der Vergiftung lässt sich aufgrund ausstehender Messergebnisse nach wie vor nicht abschätzen. In vier Einzelproben aus vier Milchbetrieben wurden definitiv erhöhte HCB-Werte festgestellt. Weitere 35 Bauern werden verstärkt kontrolliert. Ihre Milch wird zwar abgeholt, sie bekommen auch ihr Geld, nach der Probenziehung wird die Milch jedoch entsorgt. 260 fleischproduzierende Bauern in der Region stehen ebenfalls unter Beobachtung. Vom Fleisch geschlachteter Tiere werden Proben gezogen. Bis Ergebnisse vorliegen, darf das Fleisch nicht verkauft werden. Belastete Futtermittel werden laut einer Aussendung des Landes auf Kosten des Zementwerks Wietersdorf, das als Urheber der Verschmutzung gilt, ausgetauscht.

Sämtliche Industrieanlagen sollen geprüft werden

Dass es nur einen Emittenten von HCB im Görtschitztal gibt, glaubt Umweltlandesrat Rolf Holub (Grüne) nicht so recht. Zu widersprüchlich seien Messergebnisse aus dem Gebiet, die etwa rund um das Zementwerk keine erhöhten HCB-Werte anzeigen würden. Holub kündigte am Freitag die Einsetzung einer "Sonderumweltinspektion Görtschitztal" an. Zusätzlich will er sämtliche Industrieanlagen in Kärnten genau auf Emissionen überprüfen. Vom Land wurde zusätzlich zu den bereits existierenden Info-Hotlines am Freitag eine Homepage für Messergebnisse das Görtschitztal betreffend eingerichtet.

Über den Landespressedienst wurde am Freitag eine Zusammenfassung eines Prüfberichts, den Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) beauftragt hatte, veröffentlicht. Demzufolge wurde die Lebensmittelaufsicht des Landes im März über erhöhte HCB-Werte bei einem Görtschitztaler Bio-Produkt informiert. Als Bio durfte das Produkt nicht mehr verkauft werden, es war jedoch als unbedenkliches Lebensmittel einzustufen, weil der Grenzwert nicht überschritten war. Am 2. April lagen zwei Rohmilchproben mit HCB-Grenzwertüberschreitungen vor.

Die Öffentlichkeit wurde am Mittwoch, dem 25. November, über das Problem mit HCB in Milch und Futtermitteln aus dem Görtschitztal informiert. Landesrat Christian Benger (ÖVP) sagte, dass nun erstmals Grenzwerte in der Rohmilch überschritten worden seien. Der Landesveterinär Holger Remer bestätigte dies. Die Grenzwertüberschreitungen vom 2. April bezögen sich nicht auf den gesetzlichen Grenzwert sondern auf einen in dem konkreten Fall kundenspezifischen, erklärte Remer.

(APA)

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