Hietzing: Zwist um Burn-out-Klinik

Der Plan für eine Rehabilitationsklinik in einer Wiener Naturoase stößt auf Kritik des Bezirks. Stadt und Betreiber betonen dagegen, dass das Projekt gut in die grüne Umgebung passe.

(c) Dr. Gerhard Bitzan

Wien. Auf der Agenda des Wiener Bauausschusses, der am Montag im Wiener Rathaus zusammentritt, steht auch der Hörndlwald. Besser gesagt: ein geplantes Bauvorhaben in diesem Waldstück in Hietzing direkt bei der Lainzer-Tiergarten-Mauer. Wie berichtet, soll dort mitten im Grünen ein Burn-out-Zentrum für 80 Personen errichtet werden. Die Bezirksvertretung ist dagegen und fast 8000 Menschen haben per Unterschrift ihre Ablehnung des Projekts bekundet. Sie alle wollen, dass dort nicht gebaut wird, sondern das Areal – auf dem einst ein Jugendgästehaus stand – renaturiert wird.

SPÖ und Grüne in der Stadtregierung und im Bezirksparlament sind aber dafür. „Es ist ein sinnvolles Projekt. Es hat eine überschaubare Fläche und ist damit eine verträgliche Lösung, die am Naherholungsgebiet nichts ändert“, sagt ein Sprecher von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Er betont, dass die Nutzung eine optimale sei und keine Spekulationen zulasse. Damit sind Befürchtungen der letzten Jahre gemeint, dass das Areal von der Stadt verkauft und Luxuswohnungen errichtet werden könnten.

Auch vonseiten des Betreibers Pro mente (der es per Baurecht übernimmt) wird betont, dass das Projekt sehr verträglich mit der grünen Umgebung sei. Es würden nur acht Prozent der Fläche verbaut, es werde alles offen sein. Man sei auch sehr an einem konstruktiven Dialog und an einem Miteinander mit den Anrainern interessiert.

Bezirkschefin Silke Kobalt kann sich dennoch mit dem Projekt nicht anfreunden. Sie hinterfragt, warum die Klinik nicht woanders errichtet werde, dort, wo es besser hinpassen würde. „Zum Beispiel beim Geriatriezentrum Wienerwald (Lainz), gar nicht weit weg vom Hörndlwald. Dort gibt es freie Pavillons – auch im Grünen.“ Tatsächlich wird das GZW derzeit abgesiedelt, im nächsten Jahr soll es vollkommen geschlossen werden. Wie die geschützten Pavillons genutzt werden sollen, ist offen. Voraussichtlich für Wohnzwecke. Als anderer Standort für das Burn-out-Projekt schlägt Kobalt auch den Rosenhügel vor. Dort befinde sich bereits eine neurologische Rehabilitationsklinik.

Afritsch-Heim: Verfall im Hörndlwald

Interessant ist jedenfalls die Vorgeschichte des Projekts. Auf dem Platz im Hörndlwald stand früher das in den 1950er-Jahren errichtete Josef-Afritsch-Heim, das als internationale Begegnungsstätte und Gästehaus für Jugendliche gedacht war und anfangs auch so genutzt wurde. In den Achtzigerjahren wurden daneben noch einige Häuser errichtet, die als Unterkünfte für Asylwerber verwendet wurden. Das ganze Gebiet wurde per Baurecht der Volkshilfe zugesprochen. Das Afritsch-Heim ließ man dann aber verfallen, es wurde 2013 abgerissen. Das Flüchtlingsheim wurde 2012 geschlossen und steht derzeit leer. Die Volkshilfe erhielt übrigens aus der Stadtkasse 450.000Euro, um einem früheren Vertragsende zuzustimmen.

Besonderer Ärger herrschte in der Bezirksvorstehung auch über die Vorgangsweise des Rathauses. Wie berichtet, wurde die Bezirksvorstehung erst kurz vor der Veröffentlichung der Pläne informiert. Und dies, obwohl die Verhandlungen zwischen Stadt und Betreiber schon lang gelaufen sein mussten.

Bürgerbeteiligung ausgehebelt

Es ist dies aber nicht das einzige Bauprojekt, bei dem sich der (schwarze) Bezirk von der (rot-grünen) Stadtregierung überfahren fühlt. Ein weiteres Beispiel ist ein umstrittenes Bauprojekt bei der Elisabethalle/Seckendorfgasse, nicht weit vom Küniglberg entfernt. Ein Bauträger hat dort ein Grundstück unter bemerkenswerten Bedingungen erworben und angekündigt, Häuser mit mehreren Dutzend Luxuswohnungen zu errichten. Da es sich um unverbautes Grünland handelt, formierten sich Anrainerproteste. Auch die Bezirksvorstehung lehnte das Projekt ab und intervenierte im Rathaus. Vergebens.

Dann aber wurde ein besonderer Trick angewendet: Die Baupolizei genehmigte dem Bauträger einen Paragrafen 70a. Das bedeutet, dass keine Bauverhandlung, bei der Anrainer ihre Bedenken ausdrücken könnten, durchgeführt werden muss. Diese Regelung wurde erst vor ein paar Jahren in die Bauordnung aufgenommen. Zweck war es, kleineren Bauherren einen Bau ohne große Formalitäten zu erleichtern.

Mit so einer Vorgangsweise könne man jede Bürgerbeteiligung aushebeln, befürchtet Kobalt. Vor etwa drei Wochen sind die Bagger aufgefahren und haben erste Arbeiten durchgeführt. Derzeit läuft noch ein Einspruch der Anrainer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2014)

Kommentar zu Artikel:

Hietzing: Zwist um Burn-out-Klinik

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen