Krieg der Anwälte: Gekaufter Shitstorm gegen Alijew?

Kanzlei Lansky soll auf Kauf-Postings spezialisierte Agentur gegen Ex-Botschafter eingesetzt haben. Dessen Anwälte fordern umgekehrt U-Haft für Lansky.

Rachat Alijew
Rachat Alijew
Rachat Alijew – (c) EPA (Hbf/Dragan Tatic)

Wien. Die an sich ernste Affäre um den unter Mordverdacht stehenden Ex-Botschafter Kasachstans, Rachat Alijew, gewinnt für die unbeteiligte Allgemeinheit – ironisch formuliert – immer mehr an Unterhaltungswert. So wurde bekannt, dass Alijews Gegner bei einer einschlägig bekannten PR-Agentur eine Negativkampagne für das Internet bestellten, wie das Magazin „Datum“ schreibt.

Der Auftrag für die Postings, die auf Russisch und Deutsch in diversen Foren erschienen, kam demnach von der Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner. Anwalt Gabriel Lansky vertritt einen Verein, den die Witwen jener Männer gründeten, die mutmaßlich von Alijew ermordet wurden. Laut Oberlandesgericht Wien ist der Verein jedoch eine „Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes“.

Alijews Anwalt Manfred Ainedter spricht von einer „Rufmordkampagne“ und einem „einmaligen Fall in der heimischen Justizgeschichte“, für Gabriel Lansky hingegen war es „das Kommunizieren von Tatsachen“.

 

„Dinge beim Namen nennen“

Im Internet platziert wurden die Beiträge von der Agentur Modern Mind Marketing. Das Unternehmen geriet vor einem Monat in die Schlagzeilen. Damals wurde bekannt, dass die Agentur u. a. für die ÖBB, die Bank Austria oder die Wiener ÖVP mit Fake-Postings „Stimmung“ im Internet machte, versuchte, die öffentliche Meinung über ihre Kunden zu beeinflussen.

Der Ex-„Format“-Chefredakteur und nunmehrige PR-Berater Herbert Langsner soll für Lansky die Kampagne koordiniert haben. Er sagt heute: „Wenn man die Dinge beim Namen nennt, ist das nicht immer schön, aber notwendig.“

Aus der Sicht Lanskys ebenfalls nicht schön sind wohl die Vorwürfe eines anderen Alijew-Anwalts, Stefan Prochaska. Er sagt, Lansky, gegen den wegen Spionageverdachts ermittelt wird, habe versucht, das österreichische Justizsystem zu beeinflussen. Prochaska forderte deshalb im „Kurier“ die Verhängung der U-Haft über seinen Standeskollegen. Lansky weist die Vorwürfe zurück. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2014)

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