HCB: Auch in Rindfleisch Umweltgift entdeckt

Bei einem Kärntner Tier war der Grenzwert massiv überschritten. Die Sonnenalm-Molkerei stoppt vorläufig die Produktion. Das Land warnt Konsumenten vor Lebensmitteln aus der Region Görtschitztal.

Symbolbild - Bei einem Tier im Kärntner Görschitztal war der HCB-Grenzwert massiv überschritten.
Symbolbild - Bei einem Tier im Kärntner Görschitztal war der HCB-Grenzwert massiv überschritten.
Symbolbild - Bei einem Tier im Kärntner Görschitztal war der HCB-Grenzwert massiv überschritten. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Es bleibt nicht bei der Milch. Nun ist auch in Rindfleisch aus dem Görtschitztal Hexachlorbenzol nachgewiesen worden. Bei einem Tier war der Grenzwert "massiv überschritten", wie Agrarlandesrat Christian Benger (ÖVP) am Samstag gegenüber der Austria Presse Agentur erklärte. Zwei weitere Schlachttiere sind belastet und werden vorsorglich entsorgt. Spuren von HCB wurden aber auch in einem Schwein und einem Stück Rotwild gefunden.

Bei Fleisch gelten andere Grenzwerte als bei der Milch, und zwar sind es 0,2 Milligramm HCB je Kilogramm. Dass auch in einem Schwein - zwei Schlachttiere wurden untersucht - HCB gefunden wurde, ist für Benger "unerklärlich", da Schweine ganz anderes Futter fressen als Rinder. Ab sofort muss in der Region auch jedes Stück Wild auf HCB untersucht werden, bevor das Fleisch in den Handel kommen darf.

Molkerei schließt vorerst

Zuvor war bekannt geworden, dass die Sonnenalm-Molkerei im Görtschitztaler Klein St. Paul im Bezirk St. Veit/Glan ihre Produktion vorläufig einstellt. Grund dafür waren Verunreinigungen der Rohmilch mit Hexachlorbenzol. Die Unsicherheiten bei den Messergebnissen seien zu groß, hieß es, nachdem am Freitag in zwei Produkten HCB-Belastungen über dem Grenzwert gefunden worden waren.

"Wir sind von diesem Messergebnis selbst schockiert und tief betroffen", sagte Geschäftsführer Hannes Zechner. Offenbar sei das Probennetz trotz aller Anstrengungen und Bemühungen nicht dicht genug gewesen, dafür entschuldige man sich aufrichtig bei den Kunden. Bis zur vollständigen Klärung und Vorliegen aller amtlichen Untersuchungsergebnisse hole man nun alle Sonnenalm-Kuhmilchprodukte zurück und stelle bis zur Freigabe durch die Behörden die Produktion ein. Von dem Produktionsstopp sind rund 20 Mitarbeiter betroffen.

Land Kärnten warnt vor Lebensmitteln aus Region

Das Land Kärnten hat am Freitagabend neuerlich davor gewarnt, Lebensmittel aus der Region Görtschitztal zu konsumieren. Das gab Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) nach einem Krisengipfel bekannt. Aus Sicherheitsgründen werde die Bevölkerung dazu aufgerufen, bis auf weiteres keinerlei Lebensmittel aus der Region zu konsumieren, sagte Kaiser. Die Warnung gelte, bis sämtliche Ergebnisse der amtlichen Probenziehung vorliegen würden und Entwarnung gegeben werden könne. Er habe nun in Auftrag gegeben, dass alle vorhandenen Kräfte der Fachabteilungen gebündelt werden sollen, um verstärkt Proben zu nehmen und Tests durchführen zu lassen.

Vor eineinhalb Wochen war öffentlich geworden, dass im Görtschitztal im Kärntner Bezirk St. Veit/Glan offenbar über einen längeren Zeitraum HCB freigesetzt worden war. Das Land lässt nun alle zur Verfügung stehenden Betriebsbücher der Donau-Chemie ebenso wie der Wietersdorfer Zementfabrik genau überprüfen. Damit soll geklärt werden, seit wann wie viel Blaukalk an- bzw. abgeliefert und verbrannt wurde. Auch Fichtennadelproben sowie Asche aus den Biomasseheizwerke, Fische und Klärschlamm werden verstärkt untersucht.

FPÖ fordert Rücktritt von Landesräten

Der Kärntner FPÖ-Obmann Christian Ragger forderte unterdessen, Umweltlandesrat Rolf Holub von den Grünen und SPÖ-Gesundheitsrefentin Beate Prettner müssten zurücktreten. Sie seien nicht fähig, für Klarheit zu sorgen und würden vielleicht sogar versuchen, eigene Versäumnisse zu vertuschen, mutmaßte Ragger, der die Einbeziehung externer Berater verlangt.

(APA)

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