Illegale Automaten: Flut an Anzeigen

Noch immer stehen in Wien hunderte illegale Glücksspielautomaten. Die Betreiber machen das „Geschäft ihres Lebens“. Anrainer sind nun unterwegs, um sie anzuzeigen.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Es ist das altbekannte Bild. Männer, die vor dunklen Türen zu schummrigen Räumen stehen. Drinnen, im Spiellokal, läuft eine Sportübertragung, an den Tischen Gruppen von Männern, in der Ecke der Spielautomat. Die blinkenden Symbole am Schirm rotieren nach wie vor. So gesehen – und per Kamera dokumentiert – am Abend des 6. Jänner in einem Spiellokal nahe des Gürtels, erzählt Fayad Mulla, Aktivist der politischen Bewegung „Der Wandel“ von deren jüngster Suche nach illegal aktiven Spielautomaten in Wien.

Das Ergebnis: Entlang des Gürtels fand Mulla in kurzer Zeit 32 aktive Automaten. Acht Lokale wurden bei der Finanzpolizei angezeigt. Schließlich ist das Kleine Glücksspiel in Wien seit dem Jahreswechsel quasi verboten. Während sich die Mehrzahl der Lokalbetreiber – trotz diverser Klagsdrohungen hat sich sogar Platzhirsch Novomatic vorerst gebeugt – an das Verbot hält und Automaten in Plastik verpackt, abgeschaltet oder schon abtransportiert hat, sind nach wie vor hunderte Glücksspielautomaten in Betrieb.

Bei ersten Razzien gegen Betreiber von Glücksspielautomaten seien am Mittwoch rund 50 illegale Spielautomaten beschlagnahmt worden, berichtet die ORF-Sendung "Wien heute" am Mittwochabend.

Schon als das Kleine Glücksspiel noch legal war, wurden in Wien rund 700 illegale Automaten vermutet – diese Zahl dürfte nun deutlich angewachsen sein. Während die Finanzpolizei seit Jahresbeginn nun verstärkt unterwegs ist, um diese aufzuspüren, sind so wie Fayad Mulla Dutzende Wiener unterwegs – auf der Suche nach illegalen Automaten.

 

Anrainer und Spieler zeigen an

Wilfried Lehner, Leiter der Finanzpolizei, berichtet von „irrsinnig vielen“ Anzeigen, die seit Anfang Jänner von Privaten kommen. Die Finanzpolizei sei nun am Sichten und Abarbeiten dieser „mindestens hundert“ Hinweise auf illegale Spielautomaten. Es sind vor allem Anrainer der einschlägigen Glücksspielmeilen, der heruntergekommenen Gegenden nahe des Gürtels oder der tristen Reinprechtsdorfer Straße, die nun eine Chance sehen, das Kleine Glücksspiel aus ihren Straßen zu verbannen. Und um zu verhindern, dass aus ehemaligen Automatenlokalen nun offiziell Wettbüros werden, in denen im Verborgenen weiter das (weit lukrativere) Automaten-Glücksspiel läuft.
Aber auch Spieler selbst melden sich bei der Finanzpolizei. „Es sind solche, die ihr Suchtproblem erkannt haben und uns bitten, doch die Automaten vor ihrer Nase wegzunehmen, damit sie nicht mehr in Versuchung geraten“, erzählt Wilfried Lehner.

Pro Tag gebe es im Schnitt zehn bis 15 Einsätze, bei denen illegale Automaten von den Beamten versiegelt und beschlagnahmt werden. Seit Anfang Jänner wurden bei 50 Einsätzen illegal betriebene Geräte gefunden. Von großen Razzien will Lehner nicht sprechen, man beobachte die Branche, es gibt regelmäßig Kontrollen. Es könnte aber auch wieder zu einer längeren Pause kommen, um zu beobachten, wer nun abwartet und erst dann Geräte wieder in Betrieb nimmt. Jedenfalls stehen im Bedarfsfall bis zu 200 Mitarbeiter bereit – 100 aus Wien, 100 könnten aus Niederösterreich und dem Burgenland angefordert werden.

 

Lokalbetreiber riskieren Strafe

Schließlich wird das illegale Glücksspiel die Beamten weiter auf Trab halten: Jene Betreiber, die nun illegal weiter an ihren an Automaten spielen lassen, machen seit 1. Jänner „das Geschäft ihres Lebens“, sagt Lehner. Die drohenden Strafen richten sich nicht nach der Höhe des illegal erzielten Gewinnes, sondern liegen – je nach Zahl der Automaten und ob es sich um einen Wiederholungsfall handelt – bei 1000 bis 60.000 Euro.

Manch ein Lokalbetreiber riskiert diese Strafe auch bewusst, um gerichtlich gegen das Quasi-Verbot des Kleinen Glücksspiels vorgehen zu können. Schließlich sind Automatenbetreiber der Auffassung, ursprünglich für über 2014 hinaus erteilte Konzessionen müssten nach wie vor gültig sein – und wollen diese auch gerichtlich durchsetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2015)

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