Katholiken: Nur jeder Zehnte in Sonntagsmesse

Die Zahl der Kirchenaustritte stagniert auf hohem Niveau. Die Zahl der Gottesdienstbesucher hat sich in den vergangenen 20 Jahren halbiert.

Wenige Besucher in einer Kirche bei der Sonntagsmesse
Wenige Besucher in einer Kirche bei der Sonntagsmesse
(c) BilderBox (Erwin Wodicka)

Wien. In Österreichs Kirchbänken finden sich an den Sonntagen immer mehr freie Sitzplätze. Mittlerweile besucht nur noch knapp mehr als jeder zehnte Katholik (11,5Prozent) eine Messe am „Tag des Herrn“ – außerhalb der großen Feste wie Ostern und Weihnachten (siehe auch Grafik). Damit hat sich während der vergangenen zwei Jahrzehnte die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger von 1,2 Millionen auf 605.000 halbiert.

62 Prozent der Österreicher, in absoluten Zahlen sind das laut am Dienstag veröffentlichter Statistik der Bischofskonferenz 5,27Millionen, gehörten mit Stand Ende 2014 der katholischen Kirche an. Das entspricht einem Rückgang um 0,8 Prozent. Gleichfalls wenig verändert hat sich die Zahl der Kirchenaustritte: Diese stagniert bei 54.939. Das entspricht einem Plus von 0,13Prozent gegenüber dem Jahr davor.

(c) Die Presse

Leichte Rückgänge werden auch bei der Zahl der Priester, egal, ob sie einem Orden angehören oder nicht, der Taufen, Erstkommunion und Firmung sowie der katholischen Eheschließungen verzeichnet. Ein Teil ist wohl der demografischen Entwicklung (Rückgang der Geburten!) geschuldet. Derzeit sind in Österreich 3.933 Priester für 4327 Pfarren oder andere seelsorgliche Einrichtungen zuständig. Ansteigend ist hingegen die Zahl der ständigen Diakone. Diese dürfen unter anderem Taufen, Begräbnisse und Eheschließungen leiten und können – soferne sie nicht als Priesterkandidat geweiht werden – auch verheiratet sein. Die aktuelle amtliche Statistik weist 656 Diakone aus, im Jahr davor waren es 634.

 

Weniger Kirchenaustritte

In einigen Diözesen sind die Zahlen der Kirchenaustritte im Vorjahr sogar zurückgegangen. Die Diözese Innsbruck mit dem für Reformen sehr offenen Bischof Manfred Scheuer verzeichnete um 8,3 Prozent geringere Austrittszahlen als im Jahr zuvor. Auch Feldkirch mit dem ersten von Papst Franziskus für Österreich ernannten Bischof Benno Elbs meldet einen Rückgang um vier Prozent. Und auch in der Diözese Linz, wo Bischof Ludwig Schwarz heuer sein Pensionsalter erreicht, sind die Austritte aus der katholischen Kirche um 2,6 Prozent zurückgegangen.

Gleichzeitig wurde die Bilanz über das Jahr 2013 veröffentlicht. Demnach ist das Gesamtbudget der Diözesen leicht gestiegen und betrug 546,6 Millionen Euro, wie aus der von der Katholischen Presseagentur veröffentlichten Übersicht hervorgeht. Der Großteil der Einnahmen mit 78 Prozent stammt aus dem Kirchenbeitrag: 427Millionen Euro (gegenüber 418 Millionen Euro im Vorjahr).

Der Großteil der Ausgaben entfällt mit 337 Mio. Euro auf Personalkosten (61 Prozent). Die Bau- und Erhaltungskosten beliefen sich 2013 auf knapp 49 Mio. Euro (neun Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2015)

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