Jeder zweite Häftling ist kein Österreicher

Laut einem Europarat-Bericht sitzen in Österreich überdurchschnittlich viele Ausländer in Haft. Eigentumsdelikte sind der häufigste Grund.

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Symbolbild – Stanislav Jenis / Die Presse

In Österreich sitzen überdurchschnittlich viele Ausländer im Gefängnis. Zu diesem Ergebnis kommt der Europarat in seinem jährlichen Bericht über den europäischen Strafvollzug. Während europaweit im Jahr 2013 (das ist europaweit der statistische Letztstand) durchschnittlich jeder vierte Häftling aus dem Ausland stammte, war es hierzulande jeder zweite, heißt es in dem am  Mittwoch veröffentlichten Report. Demnach haben nur drei EU-Mitgliedsländer einen höheren Anteil ausländischer Gefängnisinsassen als Österreich: Zypern, Griechenland und Luxemburg. Generell gilt für die EU: Je weiter östlich das Mitgliedsland, desto niedriger die Ausländerquote in den Haftanstalten.

Ebenfalls eine Ausnahmeposition nimmt Österreich bei den Straftaten ein: Die häufigste Ursache für eine Haftstrafe hierzulande sind nämlich Eigentumsdelikte – insgesamt 30,6 Prozent der Häftlinge saßen wegen Diebstahls ein, der europäische Durchschnittswert beträgt 15,5 Prozent. Damit liegt Österreich auf dem Niveau von Rumänien (31 Prozent) und wird in der EU nur noch von Bulgarien überholt, wo 2013 46,6 Prozent der Haftstrafen wegen Eigentumsdelikten verhängt wurden. Anders die Situation bei Drogendelikten: Während europaweit 17 Prozent der Häftlinge wegen Drogenhandel oder -konsum einsaßen, waren es in Österreich 15,8 Prozent.

Zahl der Drogendelikte steigt

Die Daten des Europarats beinhalten zwar nicht das vergangene Jahr, doch sie machen nichtsdestotrotz den korrosiven Einfluss der europäischen Wirtschaftskrise auf die Verbrechensstatistiken sichtbar. Demnach ist im Zeitraum von 2007 bis 2013 die Häftlingspopulation in Europa um 2,7 Prozent gestiegen – wobei es in einigen von der Krise besonders stark betroffenen Ländern (etwa Island) Anstiege von bis zu 20 Prozent gegeben hat.

Ein weiterer Indikator ist die Zahl von Drogendelikten, die mit Haftstrafen geahndet wurden – da wirtschaftlich schwere Zeiten zu Drogenkonsum animieren. Ihr Anteil hat sich konstant erhöht, und zwar von einem Median (die Autoren halten hier den Mittelwert für aussagekräftiger als den Durchschnittswert, der von statistischen Ausreißern verzerrt werden kann) von 16,2 Prozent im Jahr 2007 auf 18,8 Prozent im Jahr 2013.

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