Gabriel Lansky: Advocatus Diaboli

Im Fall Alijew ermittelt der Staatsanwalt gegen Gabriel Lansky. Wieso macht sich ein anerkannter Menschenrechtsanwalt mit dem kasachischen Regime gemein?

Gabriel Lansky
Gabriel Lansky
Gabriel Lansky – (c) Mirjam Reither

Unter den umtriebigen Advokaten dieser Republik ist er einer der umtriebigsten: Gabriel Lansky (59). Er ist Wirtschafts- und Menschenrechtsanwalt. In seinem Vorzimmer säßen Asylwerber und Generaldirektoren nebeneinander, sagte er einmal.

Lansky vertrat unter anderem die Interessen Natascha Kampuschs. Für Alfred Gusenbauer schupfte er im Wahlkampf 2006 das Promi-Komitee. Er selbst kandidierte bei Nationalratswahlen für die SPÖ, allerdings auf den hinteren Rängen. Nicht zuletzt deswegen war er für die ÖVP ein rotes Tuch. Diese stellte schon einmal in den Raum, Lansky würde über seine üppigen ÖBB-Honorare die SPÖ querfinanzieren. Für Lansky selbstredend unwahr.
Nun berichten „Kurier“ und „Profil“, wovon „Die Presse“ schon berichtet hat: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den „roten Gabi“. Lansky vertritt die Witwen jener beiden kasachischen Bankmanager, die von Rachat Alijew ermordet worden sein sollen. Weswegen Alijew in Österreich nun auch in Untersuchungshaft saß, die für ihn diese Woche tödlich endete. Ob durch Selbstmord oder vielleicht doch durch Mord wird derzeit geklärt.

Geheimdienst KNB

Lansky wirft die Staatsanwaltschaft jedenfalls vor, für den kasachischen Geheimdienst gearbeitet zu haben bzw. zu arbeiten. Tagdyr, der Verein der Opferwitwen, den Lansky vertritt, soll in Wahrheit eine Tarnorganisation des kasachischen Geheimdienstes KNB sein.

„Ein völliger Unfug“, sagt Lansky. Als Opferanwalt sei er auf die Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden angewiesen – in Österreich wie in Kasachstan. Und da wie dort – da das BVT, dort der KNB – seien Geheimdienst und Ermittlungsbehörde in einer Behörde zusammengefasst.
Im Klartext: In Kasachstan ist etwa der Geheimdienst KNB auch Ermittlungsbehörde in Sachen Geldwäsche und Ähnlichem. Er, Lansky, müsse mit diesem also Kontakt aufnehmen, um Informationen zu bekommen.

Über Amnesty zu Broda

Gabriel Lansky ist unbestritten ein ausgewiesener Menschenrechtsexperte. Aus diesem Grund ist er einst auch Anwalt geworden. Über sein Engagement bei Amnesty International hat er als Student die Frau des damaligen SPÖ-Justizministers Christian Broda kennengelernt, der in der Folge zum „väterlichen Freund“ wurde.
Was bewegt nun also einen Menschenrechtsanwalt dazu, sich mit dem kasachischen Regime gemein zu machen? Das tue er gar nicht, sagt Lansky. Er habe mit der kasachischen Regierung nichts zu tun, er vertrete lediglich die Witwen der mutmaßlichen Alijew-Opfer. „Dass Kasachstan kein Musterland der Menschenrechte ist, habe ich immer wieder betont.“

Und wie passt das dann zu jenem Brief seiner Kanzlei Lansky, Ganzger und Partner an OMV-Generaldirektor Gerhard Roiss, über den „Die Presse“ diese Woche berichtet hat? Darin war zu lesen, dass sich Roiss für eine Strafverfolgung Alijews starkmachen soll, andernfalls könnte dies negative politische und auch wirtschaftliche Folgen für Österreich haben. Kasachstan ist ein wichtiger Öllieferant für die OMV.

Schreiben an OMV-Chef

Lansky zweifelt erstens die Authentizität des Schreibens an. Und meint zweitens: „Ich hätte das sogar unterschrieben.“ Schließlich sei er auch Wirtschaftsanwalt und die internationale wirtschaftliche Stellung Österreichs sei ihm keineswegs egal. Hier auf allfällige Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, könne man niemandem wirklich zum Vorwurf machen.

Wieso er nun in die Ziehung kommt, hat für Lansky einen Grund: Der PR-Maschinerie Alijews sei es gelungen, aus einer Selbstverständlichkeit im internationalen Strafrecht – der Strafverfolgung einer Straftat auch in einem anderem Land – einen „Pseudoskandal“ zu inszenieren.
Lansky selbst bekennt sich allerdings auch zu anwaltlichen PR-Methoden – auch wenn er es nie und nimmer so nennen würde. „Aber mit Paragrafen allein werden Sie in einer so komplexen Materie ihren Klienten nicht helfen können.“ Es brauche darüber hinaus eben Kontakt zu den Medien und zu Entscheidungsträgern. „Lobbying bedeutet, Entscheidungsträger über relevante Sachverhalte zu informieren.“

150 Mitarbeiter

Gabriel Lansky beschäftigt in seinen beiden Kanzleien in Wien und Bratislava 150 Mitarbeiter – die Schwerpunkte der Tätigkeiten liegen in Österreich, Südosteuropa und in ehemaligen Sowjetrepubliken. Lansky sitzt in der Österreichisch-Russischen und der Österreichisch-Aserbeidschanischen Freundschaftsgesellschaft, in zahlreichen Aufsichtsräten und er ist Präsident der Österreichisch-Israelischen Handelskammer.

Lansky, Vater zweier Söhne, entstammt selbst auch einer jüdischen Familie. Sein Vater war Richter in Karlsbad, seine Mutter Pianistin. Diese zwei Welten vereine er auch in sich, sagte er vor Jahren einmal in einem „Presse“-Gespräch. Und so versuche er, sein Leben „als Synthese von Bauch und Hirn zu leben“. ?

("Die Presse", Printausgabe vom 1.3.2015)

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