NS-Gedenkstätte im Flakturm

Im Flakturm Esterhazy-Park entsteht ein Museum, das sich auch der dunkelsten Zeit Österreichs widmet. Die Kosten für den Umbau werden derzeit auf etwa 20.000 Euro geschätzt.

(c) Die Presse (Harald Hofmeister)

WIEN. Sie sind Zeugen einer dunklen Vergangenheit: Die 55 Meter hohen Flaktürme, die vom NS-Regime zwischen 1942 und 1944 in Wien errichtet wurden und heute bedrohlich über dem Augarten, Esterhazypark und Arenbergpark thronen.

Abreißen? Zu teuer, bei geschätzten 100 Millionen Euro pro Turm. Eine sinnvolle Nutzung? Zuletzt wurde als einziges Projekt ein Nobelhotel auf dem Flakturm im Esterhazypark kontroversiell diskutiert. Ansonsten war es ruhig – zu ruhig. Denn nach „Presse“-Informationen laufen im Windschatten der Hoteldiskussion die Arbeiten für ein spektakuläres Projekt im Esterhazypark-Flakturm: In den ungenutzten Bunkerräumen entsteht ein Museum, eine Art NS-Gedenkstätte, in der künftig Führungen stattfinden sollen und die sich speziell mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Das bestätigt Hans Köppen, Geschäftsführer der Haus des Meeres Betriebs GmbH: „Wir sind dabei, im alten Teil des Bunkers, der sich noch im Rohzustand befindet, die Räume dafür herzurichten.“

 

Ausstellung im Stiegenhaus

Die Gestaltung der Gedenkstätte läuft unter der Leitung des Historikers und Buchautors Marcello La Speranz. Er hatte bereits für das Haus des Meeres 22 Bildtafeln zusammengestellt, die zwischen dem sechsten und neunten Stock im Hauptstiegenhaus ausgestellt wurden. Diese Tafeln sollen Jugendlichen verdeutlichen, dass der Flakturm nicht als Zoo errichtet wurde, sondern eine leidvolle, dunkle Vergangenheit hat. Dieser Vergangenheit soll mit dem neuen Projekt Rechnung getragen werden.

 

 

Wie sehen die Details (die offiziell erst im Mai präsentiert werden) aus? Es wird eigene Führungen, abgekoppelt vom Haus des Meeres geben, die rund 45 Minuten dauern. Gleichzeitig wird ein Kombiticket aufgelegt, womit der Eintrittspreis nicht nur beim Tiergarten Schönbrunn (siehe Bericht unten) steigt. Wobei der Eintrittspreis für das Haus des Meeres selbst heuer nicht angehoben wird; denn das wurde bereits zu Jahresanfang erledigt: Wegen der hohen Inflation stiegen die Ticketpreise um fünf Prozent.

Zum inhaltlichen Konzept: In einem Raum wird die Kommandozentrale des Flakturms mit allen historischen Geräten, die zur Kriegszeit in Einsatz waren, im Originalzustand nachgebildet: vor allem mit Radaranlagen und Funkgeräten – weil der Turm im Esterhazypark die Leitstelle für den Gefechtsturm in der Stiftskaserne war. Neben der Darstellung der Kommandozentrale soll die Geschichte des Flakturms aufgezeigt werden. Damit werden Besucher mit der NS-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert; vor allem Jugendlichen soll diese Zeit vor Augen geführt werden. Denn der Flakturm sei ein Mahnmal, hält Köppen fest.

Die Kosten für den Umbau werden derzeit auf etwa 20.000 Euro geschätzt. Und falls das umstrittene Hotel auf der Spitze des Flakturms wirklich realisiert wird? „Das wäre kein Problem“, meint Köppen: „Das Hotel würde unser Projekt nicht berühren.“ Und was meint der Haus-des-Meeres-Geschäftsführer generell zu dem Hotelprojekt? „Kein Kommentar.“

Während der Flakturm im Esterhazypark für ein neues Projekt umgebaut und genützt wird, bleibt die Situation bei den anderen Türmen unverändert. Den Flakturm im Augarten will ein EDV-Unternehmen seit Jahren als Hochsicherheitsbunker für sensible Daten (Banken, Firmengeheimnisse etc.) nutzen. Das Projekt liegt aber weiter auf Eis, da dafür Bauarbeiten im Augarten nötig wären – wogegen sich die Stadt wehrt. Das Gelände rund um die Stiftskaserne wird trotz des Wunsches des siebten Bezirks nicht geöffnet – das Bundesheer will keine Spaziergänger vor geheimen militärischen Anlagen. Und der Flakturm im Arenbergpark bleibt weiterhin ein sicheres Depot für das MAK – das Museum für Angewandte Kunst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.04.2009)

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