Gletscher schmelzen weiter

Obwohl 2014 das wärmste Jahr der Geschichte war, schmolzen die Gletscher langsamer als zuvor. Entwarnung bedeutet das aber nicht.

Eine Detailaufnahme vom Großglockner
Eine Detailaufnahme vom Großglockner
Eine Detailaufnahme vom Großglockner – (c) Alpenverein / Norbet Freudenthaler

Wien. Die Gletscher schmelzen weiter, aber der Rückgang war voriges Jahr nicht so stark wie in anderen Saisonen. Im Schnitt haben sich die heimischen Gletscher 2013/14 um 10,3 Meter zurückgezogen, wie es im jüngsten Gletscherbericht des Alpenvereins heißt. Im Jahr zuvor waren es 15,4 Meter gewesen, und schon das war ein gutes Jahr.

2013/14 sind die hochalpinen Schnee- und Eismassen noch weniger abgeschmolzen. Und auch die extremen Rückgänge sind unter der Marke von 100 Metern geblieben. Einige Gletscher konnten im Messzeitraum sogar wachsen – die größten Vorstöße von bis zu neun Metern haben die Forscher in der Ankogel-Hochalmspitzgruppe in den Hohen Tauern verzeichnet.

Kühler August schützte Schnee

Die Zunge der Pasterze aufgenommen am 22. September 2010 (links) und am 19. September 2014 (rechts).
Die Zunge der Pasterze aufgenommen am 22. September 2010 (links) und am 19. September 2014 (rechts).
Die Zunge der Pasterze aufgenommen am 22. September 2010 (links) und am 19. September 2014 (rechts). – APA/ÖAV/G. LIEB
Von den 86 Gletschern, die vom Alpenverein beobachtet werden, sind allerdings 86 Prozent zurückgeschmolzen, neun Prozent gleich geblieben. Nur etwa fünf Prozent, also vier Gletscher, konnten wachsen. Es war nun das zweite Jahr in Folge, in dem nach langem Rückgang wieder vorstoßende Gletscher verzeichnet wurden. „Das ist die Folge von zwei besonders schneereichen Wintern im Süden“, erklärt Gletscherforscherin Andrea Fischer vom Alpenverein.

Jenen Eisriesen, die im Winter von besonders großen Schneemassen bedeckt wurden – in den Karnischen Alpen, in den Ötztaler Alpen und in Teilen der Hohen Tauern – konnte der vorige Sommer fast nichts anhaben. Obwohl 2014 global und auch in Österreich als bisher wärmstes Jahr in die Messgeschichte eingegangen ist, haben diese hohen Temperaturen den Gletschern nicht zugesetzt: Denn im August, jenem Monat, in dem die Schneedecke am stärksten abschmilzt, waren die Temperaturen nur unterdurchschnittlich.

 Die Zunge des Gepatsch Ferners aufgenommen am 4. Juli 2012 (oben), 2. Oktober 2013 (Mitte) und 16. September 2014 (unten).
 Die Zunge des Gepatsch Ferners aufgenommen am 4. Juli 2012 (oben), 2. Oktober 2013 (Mitte) und 16. September 2014 (unten).
Die Zunge des Gepatsch Ferners aufgenommen am 4. Juli 2012 (oben), 2. Oktober 2013 (Mitte) und 16. September 2014 (unten). – APA/ÖAV/M-STOCKER-WALDHUBER
Zum Zeitpunkt der Messung, im Spätsommer und Herbst, waren drei Gletscher noch schneebedeckt. Grund dafür waren die extrem hohen Niederschläge im Winter zuvor. Entscheidend ist neben den Temperaturen im Hochsommer aber besonders das Wetter im Frühling, sagt Fischer: Das warme Frühjahr 2014 – und damit die lange Schmelzperiode – hat vor allem den großen Gletschern mit Zungen, die bis tief ins Tal reichen, zugesetzt: Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, oder der diesjährige Rekordhalter, der Gepatschferner, sind früh im Jahr schneefrei geworden, durch die hohen Temperaturen sind die Eiszungen stark zurückgegangen.

Keine Entwarnung

Auch wenn die Situation in anderen Regionen für die Eismassive besser aussieht, Entwarnung für die Gletscher bedeuten zwei gute Jahre noch lange nicht.

Die Klimaerwärmung lässt hochalpine Schnee- und Eismassen schmelzen, daran ändern auch einzelne Vorstöße nichts, wie Fischer erklärt. „Seit Beginn der Messungen um 1850 haben wir in Summe einen Rückgang um 60 Prozent verzeichnet.“ Eine Aussage über die Tendenz auf den Gletschern sei erst über einem Zeitraum von etwa 30 Jahren, einer Klimanormalperiode, möglich. Und da sind die heimischen Gletscher, trotz Zuwächsen etwa in den 1980er-Jahren, klar zurückgegangen.

Prognosen gehen davon aus, dass bis Mitte des Jahrhunderts 80 Prozent der heutigen Gletschermassen schmelzen werden.

APA

[KRAB6]

(cim)

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