Hochbetagte sind aktiv, aber oft geistig nicht fit

Das Klischee von den bloß pflegebedürftigen Menschen über 80 Jahren wird deutlich zurechtgerückt.

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Wien. Jeder zweite Mensch im Alter zwischen 80 und 85 Jahren in Österreich kämpft zwar mit gesundheitlichen Problemen, aber das Image, dass diese Altersgruppe der Hochbetagten fast durchwegs Pflegefälle und/oder dement ist, ist ein Zerrbild. Die erste umfassende Studie, für die 410 Betroffene befragt wurden, zeigt, dass 80- bis 85-Jährige zwar gesundheitliche Schwierigkeiten zu bewältigen haben, aber die Hälfte ist in vergleichsweiser guter körperlicher Verfassung.

Das ist eines der Hauptergebnisse der Untersuchung bei einer interdisziplinären Hochaltrigenstudie im Auftrag von Gesundheits- und Sozialministerium, der Sozialversicherungsträger und des Landes Steiermark. Die eine Hälfte der Betroffenen ist tatsächlich hilfsbedürftig und leidet vor allem unter Defiziten bei geistigen Fähigkeiten. Die zweite Hälfte der Hochbetagten kann aber den Alltag nach wie vor weitgehend selbstständig bewältigen und ist sogar aktiv und fit. Stereotype von Pflegebedürftigkeit und Demenz sind damit nach Ansicht der Studienautoren falsch und jedenfalls zu überdenken. Schlechter sieht die Lage bei den geistigen Fähigkeiten aus. Nur 15,5 Prozent haben einen kognitiven Test ohne Fehler erledigt. Jeder Dritte zeigte leichte Defizite, ein weiteres Drittel auffällige Defizite, ein Fünftel sogar sehr auffällige Defizite bei geistigen Fähigkeiten.

 

„Bemerkenswert“ zufrieden

Weitere Details: Trotz des grundsätzlich guten körperlichen Zustands leiden „nahezu alle“ 80- bis 85-Jährigen an chronischen Krankheiten, etwa unter Bluthochdruck. Eine Folge ist die Einnahme von mehreren (oft mindestens fünf) Medikamenten. Die Altersgruppe ist aber im Regelfall mit der Lebenssituation „bemerkenswert“ zufrieden, aber deutlich emotional verletzlich. Hingewiesen wird, dies könne in einer Demenz münden.

Als problematisch gelten Einsamkeit und Depression vor allem in Pflegeheimen. Harninkontinenz ist im hohen Alter weitverbreitet; Pflege gilt als Tabuthema. (ett)

Studie: www.oepia.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2015)

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