Amokfahrt von Graz: Täter in U-Haft genommen

Der Haftrichter entschied sich vorerst gegen eine Anhaltung in einer Nervenklinik. Eines der Todesopfer konnte noch nicht identifiziert werden, zwei Verletzte sind weiter in Lebensgefahr.

Die Grazer Innenstadt nach der Amokfahrt vergangenen Samstag
Die Grazer Innenstadt nach der Amokfahrt vergangenen Samstag
Die Grazer Innenstadt nach der Amokfahrt vergangenen Samstag – APA/EPA/ELMAR GUBISCH

Nach dem sogenannten Pflichtverhör beim Haftrichter in Beisein eines psychologischen Gutachters ist der 26-jährige Amokfahrer von Graz am Dienstag in Untersuchungshaft genommen worden. Der Haftrichter entschied sich "auch aufgrund seines bei der Vernehmung gewonnenen persönlichen Eindruckes vom Beschuldigten" vorerst gegen eine Anhaltung in einer Nervenklinik.

Ermittler und die Staatsanwaltschaft haben am Dienstag außerdem den aktuellen Ermittlungsstand bekannt gegeben: "Der Täter gab an, dass er sich verfolgt fühlte", sagte Christian Kroschl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz. Seine Ehefrau sagte aus, dass es unter anderem Eheprobleme gab, weil er gewalttätig wurde und wollte, dass sie ein Kopftuch trägt.

Der Verdächtige soll sich seit seiner Wegweisung aus dem Elternhaus etwa zwei Wochen "wo untergemietet" haben und zuletzt wieder bei seinen Eltern gewesen sein. Seine Frau war mit den Kindern woanders untergekommen. Sie hatte bei ihrer Vernehmung gesagt, dass sie vorher nichts von seiner Tat wusste. Das Verfahren wegen häuslicher Gewalt sei noch offen, erklärte Kroschl. Seinen Wunsch nach einem Kopftuch habe sie abgeschlagen, was danach "im Raum stehen geblieben sei".

Auch Eltern wurden befragt

Rene Kornberger vom Landeskriminalamt schilderte, dass die Eltern des Verdächtigen ebenfalls bereits vernommen wurden, aber nichts zum Sachverhalt beitragen konnten. Aussagen von Zeugen, wonach der Täter bei der Festnahme "Ich habe es für Allah getan" gesagt habe, hätten sich nicht bestätigt.

Das Landeskriminalamt hat zur Aufklärung des Falles auch ein Erhebungsgesuch Richtung Bosnien geschickt. Die Arbeit der Ermittler gestalte sich umfangreich: "Rund 150 Zeugen sind zu befragen, manche von ihnen können auch noch zu Opfern werden, wenn sie gefährdet waren", sagte Kornberger. 30 bis 35 Videosequenzen von Videokameras entlang seiner Route müssen gesichtet und ausgewertet werden, um eine lückenlose Rekonstruktion zu bekommen. Hinzu kommen unzählige Fotos.

Tote nicht identifiziert, zwei Verletze in Lebensgefahr

Kornberger sagte auch, dass eines der drei Todesopfer noch nicht identifiziert wurde. Es handelt sich um eine 25 bis 30 Jahre alte Frau, die keinen Ausweis bei sich hatte. Sie hat weder eine Tätowierung noch eine auffällige Narbe. Die Erhebungen waren bisher erfolglos. Nun soll anhand ihrer Kleidungsstücke die Identität geklärt werden.

Die unbekannte Tote sowie der vierjährige Bub und der 28-jährige Mann sind am Montag obduziert worden. Sie waren auf der Stelle tot, ihre Verletzungen glichen jenen bei einem Verkehrsunfall auf einer Überlandstraße - also bei hoher Geschwindigkeit, sagte Kornberger. Der Täter dürfte stellenweise mit bis zu 100 Kilometer pro Stunde durch die Innenstadt gefahren sein.

Zwei der Verletzten sind - entgegen früheren Berichten - nach wie vor in Lebensgefahr. Eine Sprecherin des LKH Graz revidierte am Nachmittag Aussagen vom Vormittag, wonach die beiden nicht mehr in kritischem Zustand seien.

Pflichtverhör läuft

Das Pflichtverhör des Verdächtigen, bei dem in Beisein eines psychologischen Gutachters über eine Untersuchungshaft oder eine Anhaltung in einer Nervenanstalt entschieden wird, war am Nachmittag noch nicht abgeschlossen. Der 26-Jährige dürfte sich noch keinen Anwalt genommen haben, sagte Christian Kroschl von der Staatsanwaltschaft Graz.

Die Ermittler bestätigten, dass ein halbautomatisches Gewehr mit Munition - laut "Kleiner Zeitung" waren es 1000 Schuss - bereits vor Monaten bei dem Verdächtigen sichergestellt worden war. Er hatte eine Waffenkarte besessen, doch nach mehreren Zwischenfällen wurde ihm diese abgenommen und damit auch seine Waffe. Bei der Hausdurchsuchung nach seiner Amokfahrt wurden keine weiteren Waffen gefunden. Dafür wurden mehrere elektronische Medien mitgenommen, die ausgewertet werden müssen. "Es gibt bisher keinen Anhaltspunkt dafür, dass es ein terroristischer Anschlag war", sagte Kornberger. Ebenfalls noch ausständig ist das Ergebnis seines Bluttests. Alkohol hatte er jedenfalls keinen getrunken.

(APA)

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