Brigittenau: Pläne für zweite Bike City

Die Stadt Wien will am Donauufer 250 Wohnungen für Radfahrer errichten. Wohnbaustadtrat Schicker und der grüne Landtagsabgeordneter Chorherr präsentierten nun eine Studie, die die Machbarkeit des Projekts bestätigt.

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(c) AP (Charles Rex Arbogast)

Wien.Auf den ersten Blick ist das Brigittenauer Donauufer zwischen Nordbrücke, Floridsdorfer Brücke, den Gleisen der S45 und dem Handelskai nicht gerade der ideale Wohnort für Menschen, die gerne ohne Autos und inmitten von Grün leben möchten.

Ein neues Stadtentwicklungsprojekt soll das nun ändern. Die Stadt Wien möchte auf dem 500Meter langen und 100 Meter breiten Streifen Land, der derzeit noch den ÖBB gehört, 250 bis 300 Wohnungen errichten. Wohnungen, in denen vor allem Radfahrer und Fußgänger leben sollen.

Was ungewöhnlich klingt, ist zumindest technisch durchführbar: Der Wiener Wohnbaustadtrat Rudolf Schicker und der grüne Landtagsabgeordneter Christoph Chorherr präsentierten nun eine Studie, die die Machbarkeit des Projekts bestätigt.

 

Leben am Wasser

„Leben am Wasser“ nennt es Schicker, Chorherr bezeichnet das Projekt als „Bike City“ – einen Begriff, den man bisher mit dem (bereits fertiggestellten) Wohnprojekt auf dem ehemaligen Nordbahnhofgelände in der nahen Leopoldstadt assoziierte. Diese von der Gesiba errichtete Anlage ist speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrern abgestimmt – mit extra großen Aufzügen, einem eigens abgesicherten Radparkplatz, Sauna und Ruheräumen. Autos sind in der Leopoldstädter Anlage erlaubt, allerdings gibt es für die insgesamt 161 Wohneinheiten nur 49 Garagenplätze.

In der Brigittenauer Bike City wird es laut Chorherr strenger zugehen: Sie soll gänzlich autofrei werden. Die Bewohner mit Autos könnten einen Parkplatz in der nahen Wehlistraße nützen. Aus dem Büro Schicker ist zu hören, dass das Projekt als autofreie Zone „angedacht“ sei, wie Sprecherin Vera Layr sagt.

Öffentlich angebunden ist das Brigittenauer Ufer nämlich gut: Mit den Linien U1 und U6 sowie der S45 vor der Haustür. „Der scheinbare Nachteil einer schlechten Verkehrsanbindung wird so zur Chance“, sagt Chorherr.

Wie man auf die Lärmbeschallung durch den Autoverkehr reagieren will, ist im architektonischen Vorentwurf sichtbar: Hin zum Handelskai soll das scheibenförmige Gebäude die Anlage vom lauten Handelskai abschotten.

Zum Wasser hin öffnet sich die Bebauung in sechs tropfenförmige Anbauten; sie sollen in Passivhausbauweise errichtet werden.

Geplant sind zudem ein Park, ein Radhotel an der Nordbrücke sowie einige Büroflächen. Ein Architekturwettbewerb wird demnächst ausgeschrieben. Möglicher Baubeginn der Anlage: 2012.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2009)

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